Der Termin stand fest…

…und das Chaos fing an.

Trotz der Versicherungen all meiner Freunde, dass dreieinhalb Monate eine lange und ausreichende Zeit sind, um einen Auslandsumzug vorzubereiten, geriet ich in Panik. Denn kaum einer weiß, was das für mich bedeutet.

Immer wenn es mir psychisch schlecht ging, ich wieder mal in einer depressiven Phase hing, hörte ich auf, meinen Haushalt zu machen. Jedesmal brachte es mich an einen Punkt, an dem ich kurz vor dem Verzweifeln war. Irgendwie schaffte ich es immer, manchmal allerdings nur mit Hilfe einiger weniger eingeweihter Freunde, wieder Herr (bzw. Frau) der Lage zu werden. Jedesmal schwor ich mir, das passiert mir nicht nochmal. Und doch passierte es immer wieder.

Zu letzt ist folgendes passiert:

Nach fast zwei Jahren in einer emotional sehr anstrengenden Beziehung mit einem in der Fachsprache wohl als Psychopath bezeichneten Mann (nennen wir ihn X), war ich plötzlich wieder Single. X verstand es, Machtspiele zu spielen, er war Meister darin. Er wusste, wie er mich an sich bindet, ohne mir die Nähe zu geben, die ich brauchte. Er spielte mit mir, er verletzte mich, er betrog mich – und doch kam ich nicht von ihm los.

Vor einigen Monaten war es dann soweit. Nach einer räumlichen Trennung auf Grund seines Umzugs hatte ich das Gefühl, immer mehr die Kontrolle zu verlieren. Auch die Trennung war ein einziges Machtspiel, ein hin und her, ein auf und ab. Ich hasste ihn, und doch liebte ich ihn. Ich war fix und fertig, verbrachte viele Tage regungslos heulend im Bett, unfähig aufzustehen, kaum in der Lage, auch nur ins Bad zu gehen. Das einzige, was mich regelmäßig aus dem Bett trieb, waren meine Katzen die hunger hatten.

Wenn ich die Möglichkeit hatte, versuchte ich mich abzulenken. So viel hatte ich in meiner Therapie schon gelernt: Es hilft nichts, sich einzuschließen und in Selbstmitleid zu versinken. Ich traf mich also so oft wie möglich mit Freunden, war dauernd unterwegs, kaum noch zuhause. Das half meiner Stimmung, aber leider nicht meinem Haushalt.

Entweder ich lag im Bett, oder ich war unterwegs. Zeit zum Aufräumen und Putzen hatte ich nicht. Sobald ich nicht abgelenkt war von meinen Sorgen, packte mich eine Art Lethargie, und ich war wie versteinert. Meine Wohnung wurde immer unordentlicher. Es fing an mit einem Pizzakarton hier im Regal, ein paar Klammotten da auf dem Boden, dazwischen Werbezeitschriften, Katzenspielzeug… Ich ließ alles da liegen, wo ich es zuletzt in der Hand hatte.

Nach einer Weile ging es mir besser, sogar besser als die ganzen letzten Jahre. Ich konnte mich nicht mehr dran erinnern, wann ich mich zu letzt so gut gefühlt hatte. Meine Wohnung hatte allerdings mittlerweile einen Zustand erreicht, der mich überforderte. Immer wieder erwischte ich mich dabei, wie ich irgendwas mitten im Weg (oder auf dem Boden) liegen ließ, mit der Ausrede, ich müsste ja sowieso bald mal aufräumen. Ich wusste aber, um ehrlich zu sein, gar nicht, wo anfangen, also ignorierte ich das Problem erstmal.

Bis es daran ging, die Wohnung zu kündigen und den Vermieter rein zu lassen.

2 Gedanken zu “Der Termin stand fest…

  1. Marion schreibt:

    So ging es mir, nachdem ich mich von meiner grossen Liebe, leider ein Borderliner, getrennt hatte. ich sah mir selbst zu, war wie gelähmt und zu nichts in der Lage außer verzweifelt die Wand anzustarren.

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    • Lela G schreibt:

      Oh je…ich kann’s mir gut vorstellen. Aber ein Leben mit einem borderliner ist halt auch….schwierig, um es mal vorsichtig auszudrücken. War wohl eine Zwickmühle und keine leichte Entscheidung 😬

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