Lösung des Problems

…ich stand also da, mit meinem Chaos, mit Zeitdruck, und war unendlich müde.

Nach einer kleineren Panikattacke, vielen Selbstvorwürfen (warum habe ich es soweit kommen lassen, warum bekomme ich das nicht in den Griff, wie konnte ich nur denken, ich würde einen Umzug ins Ausland hinbekommen) und weiteren Stunden versteinert im Bett, hatte ich dann eine Lösung:

Dem Vermieter konnte ich, zusätzlich zur Kündigung, einen Brief schreiben, in dem ich erklärte, dass ich durch Urlaubsvertretung bei der Arbeit (keine Lüge!!) und den Umzugsvorbereitungen sehr im Stress bin, und mich bei ihm melde, sobald ich Urlaub habe (ca. 2 Wochen nach der Kündigung), um alles weitere zu besprechen. Gesagt, getan – und das ganze mit Erfolg, ich habe bisher nichts von ihm gehört.

Dann kam der zweite Teil der Lösung, der fiel mir schon deutlich schwerer. Aber es führte kein Weg dran vorbei: ich musste um Hilfe bitten. Da ich mich schon sehr schämte für den Zustand meiner Wohnung (und hier möchte ich doch betonen, dass es nicht schimmelt, kriecht oder fliegt. Es liegt nur einfach alles kreuz und quer auf dem Boden), wollte ich einerseits niemanden rein lassen, der mir hilft. Andererseits wusste ich aber, dass ich es alleine nicht schaffen würde.
Wir einigten uns daher, dass ich alleine aufräume, sortiere und in Säcke packe – Müll bzw gelber Sack, Wäsche zum waschen, Kartonage / Papier, Pfandflaschen… Und wenn das gemacht ist, würde ein Bekannter kommen, alles mitnehmen und entsorgen. Zum einen, weil ich kein Auto habe. Zum anderen aber auch, weil schon allein die Vorstellung, auf einen Wertstoffhof zu fahren, Panik in mir auslöst.

Diese Panik erkläre ich mir so:
Das Chaos, das in mir herrscht – oder geherrscht hat – übertrage ich auf mein Leben, meine Wohnung. Wenn ich nun also Müll raus trage und mich dabei jemand sieht, sieht er mein Chaos, welches ja für mich mit meinem inneren gleichgestellt ist. Und sowas (psychische Probleme etc) teilt man ja nun nicht jedem X-Beliebigen mit.  Das ganze passiert natürlich unbewusst und hat zur Folge, dass ich, je nach dem wie gut oder schlecht es mir zu dem Zeitpunkt gerade geht, vor dem Müll raus tragen schon überlege, mit welcher Ausrede (Besuch, … ) ich meinen Müll vor den Nachbarn rechtfertigen könnte, oder manchmal eben auch richtige Panikattacken bekomme.

Früher war das ganze sehr viel schlimmer. Seit ich weiß, wo es her kommt, kann ich besser damit umgehen. Wenn es mir gut geht, kann ich mittlerweile fast normal Müll raus tragen und meine Wohnung ordentlich halten. Nur eben wenn es mir schlecht geht fällt mir das schwer. Und, jetzt kann ich mich leider nur wiederholen, wenn sich dann mal so ein Berg angesammelt hat, überfordert es mich und ich weiß nicht wo ich anfangen soll.

Eine weitere Freundin, die von meinen Problemen weiß, hat sich bereit erklärt, „kurz vor fertig aufgeräumt“ zu kommen und den letzten Rest mit mir zu erledigen. Ich hatte also Zeit gewonnen, Hilfe geholt….

Nun musste ich nur noch los legen!

 

2 Gedanken zu “Lösung des Problems

  1. al schreibt:

    Ich finde es toll, dass du den Schritt wagst und ich bin zudem komplett davon überzeugt, dass du das alles schaffen wirst!
    Der Entschluss, ins Ausland zu gehen, ist leicht gefasst. Die Umsetzung hingegen ist weitaus schwieriger und wenn ich daran denke, wie oft ich Panik bekommen, alles soweit wie möglich vor mir hergeschoben habe, obwohl ich endlich so gerne in meine neue Heimat ziehen wollte…
    Man hinterfragt alles: Sich selber, seine Entscheidung…, aber du wirst sehen, wie stark dich dieser Schritt macht. Vielleicht merkst du es im Moment noch nicht, aber wenn du später zurückblickst, wirst du es erkennen ❤

    Gefällt 1 Person

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