Los geht’s!

…oder auch nicht. 

Ich hatte also erstmal wieder Zeit gewonnen und eine Lösung gefunden. Ich war so erleichtert, dass ich erstmal geschlafen und gar nichts gemacht habe (schlau, gell 😉 ). 

Half aber alles nichts, denn auch die neuen Termine / Fristen rückten näher. Ich sprach also mit meinen Kollegen und nahm mir einen Tag frei, an dem ich nichts anderes machen wollte als aufzuräumen und zu putzen. 

Der freie Tag kam, ich stand früh auf – und ging erstmal zum Friseur. Mit all dem „Stress“ den ich durch das Aufräumen (oder eher durch das nicht aufräumen obwohl ich aufräumen sollte) hatte, kam ich sonst nicht dazu, und mein Ansatz war so groß dass ich mich gar nicht mehr im Spiegel ansehen mochte. Ich hatte aber ganz fest vor direkt danach los zu legen! Und ein wenig hatte ich ja doch auch in den Tagen davor schon gemacht. Es sollte also machbar sein. 

Bis ich vom Friseur nach Hause kam, war es Mittagszeit. Da mein Vermieter manchmal mittags bei meiner Nachbarin ist, versuchte ich, extra leise in meine Wohnung zu schleichen. Die Vorstellung ihm zu begegnen und vielleicht Fragen beantworten oder ihn gar in die Wohnung lassen zu müssen, löste mal wieder große Panik in mir aus. 

Als ich gerade dabei war, ein Brot zu essen, hörte ich unten im Haus Türen schlagen. Ein Zeichen dafür, dass meine Nachbarin Besuch hatte. Ich wollte meinen Vermieter nicht durch Geräusche auf mich aufmerksam machen, ich verfiel also wieder in Panik und blieb – mal wieder – wie versteinert sitzen. 

…und mehr als 3 Stunden später, es war schon früher Abend, wachte ich auf. Zusammengerollt mit meiner Katze im Arm hatte ich den ganzen Mittag verschlafen. 

Ich war wütend auf mich selbst, enttäuscht, weil ich mich wieder nicht im Griff hatte. In solchen Situationen höre ich immer die Stimme eines mir nahestehenden Menschen, der mir ein paar mal zu oft gepredigt hat, dass ich mehr Disziplin bräuchte und mich zusammenreißen müsste. Ich fühlte mich schlecht, machte mich mit Selbstvorwürfen runter. 

Dazu kam noch eine große Verzweiflung weil es noch ein weiterer Beweis war, dass ich es alleine nicht schaffen würde. Ich trieb mich also selber an, aufzustehen. Ich holte mir im Laden um die Ecke einen Energy Drink, dachte dass mir der und die frische Luft neuen Schwung geben würden. Doch dann stand ich in meiner Wohnung, vor meinem Chaos, und war wieder erstarrt. 

Ich kenne einige Tricks wie z.B. Listen schreiben und abhaken, immer nur kleine Ecken angehen, systematisch eins nach dem anderen machen… Aber ich schaffte es einfach nicht. 

In meiner Verzweiflung fing ich an im Internet nach Hilfe zu suchen. Es gibt ein Messi Notfall Telefon, das aber nur an zwei (anderen) Tagen in der Woche besetzt ist. Ich habe Entrümpelungsfirmen gefunden, aber bei den Preisen (unter 1000€ geht da nichts) wuchs die Verzweiflung nur. 

Dann stolperte ich über die Telefonnumer einer Psychologin, die für Notfälle erreichbar ist. Die Abrechnung erfolgt in diesem Fall über die Telefonrechnung, was nicht ganz billig, mir in diesem Moment aber egal war. Verzweifelt schilderte ich der sympathisch klingenden Dame mein Problem. Mir ruhiger Stimme erzählte sie mir, dass es ihrer Tochter manchmal genauso geht und dass sie ihr immer den Tipp gibt, als erstes den Boden frei zu machen. Immer wieder wiederholte sie diesen Satz: „Machen Sie immer zu erst den Boden frei.“ 

Und während sie so mit mir sprach, fing ich an, den Boden frei zu machen. Schuhe in den Flur, Papier in einen großen Karton, Wäsche zum waschen in eine Tasche, leere Flaschen in einen Sack. 

Wir sprachen etwa eine viertel Stunde, und am Ende des Gesprächs waren die ersten eineinhalb, zwei Quadratmeter geschafft! 

Erleichtert, motiviert und stolz wie ich war rief ich eine Freundin an, um ihr davon zu berichten. In dieser Zeit räumte ich fast das komplette restliche Zimmer auf. Leider hat es mir nicht mehr ganz gereicht, da ich abends noch einen Termin hatte. Aber ich war so stolz und erleichtert, überhaupt noch so weit gekommen zu sein, nach einem Tag, der so schlecht begonnen hat. 

Die Telefonpsychologin war es auch, die mich ermutigte, diesen Blog zu schreiben. Ich hatte schon eine Weile darüber nachgedacht. Einige meiner Freunde fragten mich, ob es denn Sinnvoll ist, mit einer angeschlagenen Psyche ins Ausland zu gehen, wo keine Familie und keine Freunde parat stehen um einen im Notfall aufzufangen. Ich dachte darüber nach, für andere, denen es vielleicht ähnlich geht, meineErfahrungen  aufzuschreiben, aber ich traute mich nicht. Bis die Dame am Telefon den Vorschlag machte, alles aufzuschreiben. Zum einen, um für spätere Situationen eine Art Beweis zu für mich selbst zu haben, dass ich es geschafft habe. Zum anderen, damit ich später schauen kann, welche Tricks wann gewirkt haben und wann nicht. 

Und hier bin ich also, schreibe diesen Blog, für mich, für euch, einfach so. 

Und es tut gut. 

3 Gedanken zu “Los geht’s!

  1. unserlebenmitemily schreibt:

    ich finde deinen Blog soooo super. 💕 Deine Ehrlichkeit beeindruckt mich. Eigentlich bist du ein sehr starker Mensch, das fällt dir selbst nur nicht auf.

    Gefällt mir

    • Lela G schreibt:

      Danke, sowas tut gut zu hören! Ich denke, mit all den psychischen Sachen müsste mittlerweile viel offener umgegangen werden. Deshalb habe ich auch meinen Aufenthalt in der Psychosomatik damals schon offen kommuniziert. Danke nochmal für die lieben Worte ❤️

      Gefällt 1 Person

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