Samstagsorgen 

Nachdem ich also am Freitag Abend fix und fertig endlich ins Bett gefallen war, schmiedete ich noch Pläne für Samstag. 

Meine Freundin und ein Freund mit großem Auto sind für Montag bestellt, um mit mir die letzten Reste aufzuräumen, zu putzen und vorallem zu beseitigen. Bis dahin muss ich also aufgeräumt haben. 

Gedanklich machte ich einen Plan: ich würde im Schlafzimmer anfangen. Wie die Dame am Telefon (ihr erinnert euch, mein verzweifelter Anruf bei der Telefonpsychologin) mir eingeprägt hatte, wollte ich zuerst den Boden frei machen. Das sollte relativ schnell gehen, da das Zimmer klein ist und sich das Chaos in Grenzen hält. Als nächstes wollte ich das Wohnzimmer in Angriff nehmen, auch hier wäre nicht mehr viel zu tun. In ein paar Regalen stapeln sich die Pizzakartons, die müssten auf einen Haufen, hier und da noch ein paar Sachen aufsammeln, den Papierberg auf dem Tisch sortieren. Klingt machbar, oder? 

Ich plante ein, alle 30 Minuten eine 15 minütige Pause zu machen. Ich wollte die Liste aufschreiben, damit ich wirklich sehen konnte, wie sie mit jedem abgehakten Punkt kleiner wird. Und belohnen wollte ich mich abends mit der neuesten Folge meiner Lieblingsserie. 

Und dann war Samstag morgen. Naja, bis ich aufwachte (ich sagte ja schon, mein Körper reagiert auf Stress mit unendlicher Müdigkeit) war es schon fast Mittag. Ich musste erstmal mit meinen Katzen schmusen und den halben Film zu Ende schauen, während dem ich gestern eingeschlafen war. Aber dann wollte ich wirklich anfangen! 

Am Ende des Films saß aber meine Katze auf meinem Schoß und schnurrte. Wie hätte ich sie da stören können?! Als die Katze weg war, musste ich mich erst noch fertig mit meiner Freundin unterhalten, die mir auf Whatsapp geschrieben hatte. Danach war wieder eine der Katzen bei mir im Bett, dann rief eine Bekannte an… Und für den späten Nachmittag war ich mit meiner Freundin verabredet, die gerade erst aus dem Urlaub zurück war. Ihr seht also, ich hatte unmöglich Zeit aufzuräumen! 

Je später es wurde, desto mehr plagte mich das Gewissen. Ich lag im Bett und wälzte mich hin und her, ich war unruhig und angespannt. So sehr mir auch bewusst war, dass die Zeit immer knapper wird, so wenig war ich in der Lage einfach aus dem Bett zu klettern und anzufangen. Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll, es ist ein beklemmendes Gefühl, eine art Lähmung, als ob der Körper dem Gehirn nicht mehr gehorchen würde. Es ging einfach nicht! Als ich endlich aufstand um mich mit meiner Freundin zu treffen, hätte ich heulen können. Wieder einmal hörte ich die mir bekannten Stimmen im Kopf schimpfen: reiß Dich zusammen, beweg Dein Hinterteil, ein bisschen mehr Disziplin bitte! Ich war froh, bei meiner Freundin Ablenkung zu finden, aber mein schlechtes Gewissen sorgte dafür, dass ich die ganze Zeit unruhig blieb und mich schlecht fühlte. 

Nach einem etwas angespannten Abend mit meiner Freundin liege ich jetzt also wieder im Bett. Aufgeräumt habe ich nichts, dafür aber zu viel gegessen – der Drang, etwas in mich zu stopfen ist eine weitere mir bereits bekannte Reaktion meines Körpers auf Stress. Ich denke an morgen, an den Zeitdruck, an den Plan, den ich für heute hatte… Und ich habe jetzt schon Angst, dass ich es nicht schaffen werde. 

2 Gedanken zu “Samstagsorgen 

  1. al schreibt:

    Noch schnell ein paar aufmunternde Worte für morgen (bzw. heute): Klar schaffst du das und selbst, wenn du nur einen kleinen Teil von dem erledigst, was du dir für gestern vorgenommen hattest, aber nicht getan hast, bist du wieder einen Schritt weiter und kannst stolz auf dich sein ❤️

    Gefällt 1 Person

    • Lela G schreibt:

      Vielen Dank. 💕 Kommentare wie dieser zeigen mir, dass es gut war, den Blog anzufangen und machen mir Mut. Ich hoffe, dass mich der Wunsch nach einem erfolgreichen und positiven Bericht mich motiviert, doch noch ein wenig zu erledigen!

      Gefällt 1 Person

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