Sonntagsstolz

Ich hab’s geschafft! 

Aber fangen wir mal lieber von vorne an. 

Wie geplant stand ich heute morgen auf. Um wach zu werden und in Schwung zu kommen, ging ich erstmal bei einem Nahegelegenen Bäcker frühstücken. Es geht doch nichts über eine heiße weiße Schokolade und eine Erdbeer-Bisquit-Rolle! 😉 Motiviert machte ich mich auf den Weg nach Hause, um endlich weiter aufzuräumen. 

Ich hatte den Plan ohne meine Nachbarin gemacht! Sie ist die Mutter meines Vermieters und hatte schon von meinem anstehenden Auszug gehört. Die gute Dame bat mich, mit in ihre Küche zu kommen, sie hatte extra den Atlas bereit gelegt, damit ich ihr zeigen konnte, wo Irland überhaupt ist (sie ist 87 und hat ihren Geburtsort nur verlassen, um im Dorf nebenan zum Arzt zu gehen…). Fast 2 Stunden lang unterhielt ich mich mit ihr. Sie war sehr interessiert und stellte viele Fragen. Ich könnte erwähnen, dass ich momentan sehr viel um die Ohren habe und erzählte ihr, wie viel ich ausmisten und aussortieren muss. Sie war sehr verständnisvoll und ich verließ sie mit einem Gefühl der Erleichterung. Offenbar machten weder sie noch ihr Sohn sich Sorgen um die weitervermietung, so dass ich wohl eher nicht mit einem baldigen, unangekündigten Besuch meines Vermieters rechnen muss. Gleichzeitig fühlte ich mich entspannter was meinen „Müll“ angeht – sie wusste ja nun, dass es Säcke mit Altkleider gibt, mir Papiermüll, mit Sachen zum weiterverschenken… Dass da auch wirklicher Müll dabei ist, würde ihr nicht auffallen. 

Das Gespräch hatte mich trotzdem so erschöpft – ich war die ganze Zeit angespannt, aus Angst, mein Vermieter könnte vorbei schauen oder sie könnte eine unangenehme Frage stellen – dass ich, zurück in meiner Wohnung, kurz mal ausruhen wollte. Ich wäre nicht ich, wenn ich nicht eingeschlafen wäre! Stunden später wachte ich auf und ärgerte mich mal wieder. Wie das oft so ist, wenn man tagsüber schläft, fühlte ich mich seltsam und verdreht. Ich entschied mich daher, erstmal spazieren zu gehen. 


Nichts beruhigt mich mehr, als ein Spaziergang, bevorzugt zu Zeiten in denen niemand sonst unterwegs ist. Es gibt mir Kraft, lässt mich durchatmen und entspannt mich. Ich kann abschalten und für eine Weile los lassen.

Bis ich dann zuhause war, gegessen hatte (natürlich brauchte ich eine fettige, große Pizza) und bereit gewesen wäre  aufzuräumen, war es schon spät. Ich war nahe dran, den Tag Tag sein zu lassen und einfach ins Bett zu gehen, aber ich wollte nicht wieder einen Tag vergeudet haben. Unbedingt wollte ich heute auch mal einen Erfolg erzählen können! 

Ich weiß nicht wie ich es geschafft habe, aber nach einiger Zeit „gleich steh ich auf, nur ein paar Minuten noch, dann aber, nur noch kurz … und dann mach ich es“ bin ich aufgestanden und habe losgelegt. Nur eine halbe Stunde, aber immerhin. 

Ganz unkoordiniert überlegte ich mir, welche Ecken noch am schlimmsten aussehen und nahm die in Angriff. In kurzer Zeit schaffte ich es, auch diese Ecken halbwegs ansehnlich zu machen.

Auch wenn es nur eine halbe Stunde war, und obwohl mich diese halbe Stunde stolz macht, hat es mich doch unwahrscheinlich angestrengt. Ich fühle mich, als hätte ich einen ganzen Tagaufgeräumt – Zeit, um schlafen zu gehen! 

Morgen wird ein schwieriger Tag, muss ich doch mindestens eine Person (meine Freundin) rein lassen. Obwohl sie mir sehr nahe steht, ist es jedes Mal wieder eine große Überwindung für mich, ihr die Tür zu öffnen. Aber ich denke an all die Ausflüge, die ich in Irland machen möchte, und ich weiß: 

Ich bin auf dem richtigen Weg. 

3 Gedanken zu “Sonntagsstolz

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