Der erste Abschied

Heute war es soweit: der erste Abschied stand bevor. 

Mein Bruder, seine Frau und deren vier Kinder kamen knappe 400km angereist, um den Tag mit mir zu verbringen. Obwohl 400km in der heutigen Zeit nicht so wahnsinnig viel sind, sehen wir uns trotzdem nur wenige Male pro Jahr. Zwischen Arbeit, Alltag und Familie bleibt nicht viel Zeit und auch nicht viel Geld. Für mich ist die Strecke ohne Auto auch nicht ganz ohne. Bisher war das so völlig in Ordnung. Wenn wir uns sahen, war die Freude dafür umso größer, und die restliche Zeit blieben wir über Handy in Kontakt. 

Diesmal hatte der Besuch aber einen bittersüßen Beigeschmack, da ich weiß, ich werde diesen Teil meiner Familie nicht mehr sehen, bevor ich umziehe. 

Trotzdem hatten wir erstmal einen wundervollen Tag in einem kleinen Tierpark in der Nähe. Dieser Tierpark ist mir lieber als ein großer Zoo, da man nicht so überfordert wird mit Eindrücken und weil man näher an den Tieren dran ist.

Man sieht keine exotischen Tiere, aber dennoch welche, die man so vielleicht noch nicht kannte. 

 Nicht nur die Kinder hatten einen Riesen Spaß daran, die Verschiedenen Tiere zu streicheln und zu füttern, auch ich konnte gar nicht genug bekommen von den Fellnasen. 


In der Nebensaison zahlen Erwachsene 2,50€ Eintritt, Kinder ab 6 Jahren zahlen 0,50€ und Kleinkinder dürfen Kostenlos rein. Für 1,50€ bekommt man einen Eimer Popcorn, das fast allen Tieren schmeckt. Nur wenige Gehege gibt es, in denen man nicht füttern und streicheln darf. 

Die samtweiche Nase der Rehe war ein Highlight für die ganze Familie. 

Nach knappen anderthalb Stunden waren wir, ohne Pause, durch die ganze Anlage spaziert. 


Natürlich konnte mein Bruder nicht die Stadt verlassen ohne dass die Kinder Oma und Opa, also meine Eltern, gesehen hätten. Bevor wir jedoch zum Abendessen dort hin fuhren, zeigten mein Bruder und ich den Kindern noch den Ort in dem wir aufgewachsen waren. Das Haus, in dem wir gelebt hatten. Unsere Schule. Wo wir immer einkaufen gingen… Mein Bruder war seit ca. 20 Jahren nicht mehr dort, ich vor ca. 10 Jahren das letzte mal. Hier wurde es schon emotional, da viele Erinnerungen hoch kamen, gute wie schlechte. 

Nach knappen zwei Stunden bei meinen Eltern wurden die Kinder müde und es wurde Zeit, uns zu verabschieden. Obwohl der Kontakt über Handy bestehen bleibt und wir uns wahrscheinlich nicht viel seltener sehen werden als bisher, musste ich doch schwer schlucken.  Ich glaube, meiner Familie ging es genauso. Die beiden kleinen Verstehen noch nicht so richtig, was das zu bedeuten hat, dass die Tante nach Irland zieht. Die älteste wollte mich jedoch gar nicht mehr los lassen, als sie mir Tschüss sagte. Meine Schwägerin gab mir gute Wünsche mit auf den Weg und mein Bruder bat mich, auf mich aufzupassen. 

Rational gesehen war das kein größerer Abschied als sonst, dennoch hatte ich einen Klos im Hals. 

Nachdem mein Bruder weg war, stand ich noch einige Minuten mit meiner Mutter zusammen. Ich konnte sehen, dass auch ihr dieser Moment sehr nahe ging, obwohl wir beide versuchten, es zu überspielen und uns gegenseitig Versicherten, dass es heutzutage ja nicht mehr schwer ist, über so eine Distanz in Kontakt zu bleiben. 

Jetzt sitze ich also hier mit gemischten Gefühlen: Freude, weil wir einen schönen Tag hatten, und Abschiedsschmerz. 

Der erste Abschied ist geschafft. 

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