Mimimi.

Mi. 

Das war eine kurze Zusammenfassung meines Freitag morgen. 

Schon beim Aufwachen hatte ich ein mir unerklärliches Gefühl der Einsamkeit und mieser Laune. Ich fühlte mich dick, hässlich und wertlos. 

In unserem Familienchat ging es seit Tagen nur noch darum, wer wann was kochte – ich bekam Lust auf all die leckeren Sachen, doch da meine Küche momentan nicht ganz funktionsfähig ist, konnte ich keins der Rezepte nach kochen. Besonders gerne koche ich sowieso nicht, für mich ist das eher ein notwendiges Übel. Über mehrere Jahre kochte ich gar nicht, da ich einen Ekel davor hatte, angefangene Dinge zu essen. Selbst eine Flasche Ketchup musste ich direkt nach dem öffnen weg schmeißen, am nächsten Tag wäre der Ekel so groß gewesen, dass ich die Flasche nicht mal mehr anfassen wollte. Kochen lohnte sich daher für mich nicht. 

Da ich diesen Ekel nur bei Lebensmittel hatte, die ich selbst gekauft hatte oder die in meinem Besitz waren, erklärten meine Therapeutin und ich uns das so: Auch hier wurde mein innerer Zustand unbewusst auf die Lebensmittel übertragen. Mit dem öffnen oder anfassen der Sachen, kontaminierte ich sie mit meinem inneren „Müll“. Ich denke, der Ekel war eine Mischung aus Angst vor noch mehr Müll in mir, wenn ich das „kontaminierte“ zu mir nahm, und dem Ekel vor meinem eigenen (inneren) Zustand. Nun bin ich soweit, dass ich tatsächlich wieder angefangene Dinge essen kann, im Büro habe ich fast immer Butter, Milch und Brotaufstrich im Kühlschrank und hole lediglich frische Brötchen. Nur zuhause klappt das noch nicht so ganz. Vermutlich hat mich der bisherige Zustand der Wohnung abgeschreckt. Außerdem hatte ich irgendwann meinen Kühlschrank ausgesteckt, da ich ihn sowieso nicht benutzte. Da meine Wohnung so chaotisch aussah, hatte ich auch niemanden kommen lassen, um die Spüle zu reparieren – immer wenn ich das Wasser laufen lasse, kommt aus dem Unterschrank eine Pfütze getropft. Nun sieht die Wohnung wieder ganz ok aus, aber die Spüle wird erst in einiger Zeit (wenn mein Bekannter Y wieder Zeit hat) repariert. Bis dahin meide ich meine Küche  noch. 

Mit all den leckeren Rezepten, die in unserem Familienchat hin und her gingen, und meiner Unfähigkeit, davon etwas nach zu kochen, wurde ich immer schlechter gelaunt. Was bin ich doch für eine schlechte Hausfrau. Kann nicht kochen, kann die Wohnung nicht ordentlich aufräumen. 

Natürlich haben die Jahre des Fast Foods und der Fertiggerichte ihre Spuren hinterlassen. Meine sowieso empfindliche Haut blüht in voller Pracht, meine Stirn macht zeitweise jedem pubertären Teen Konkurrenz. Die letzten Wochen hatte ich oft stressbedingte Fressattacken, und in den letzten 5 Monaten hatte ich ca. 12 Kilo zugenommen. Das sind mindestens 6kg über meiner persönlichen Wohlfühlgrenze. 

Heute morgen wachte ich also schon schlecht gelaunt auf – vermutlich hatte ich heute Nacht etwas seltsames geträumt. Das passiert mir oft in den Tagen vor Vollmond (am Sonntag ist es soweit) – und was ich im Spiegel sah war ein Schwimmring um den Bauch und rot gefleckte, pickelige Haut. 

Ich fühlte mich fett, hässlich und wertlos. 

Es war so ein Tag, an dem nichts gut war. Das Wetter war trüb. Die Laune schlecht. Auf nichts hatte ich Lust – dabei hatte ich mir Dinge vorgenommen, die eigentlich Spaß machen! Ich wollte meine DVD Sammlung aussortieren und durch meine Kiste mit all den Erinnerungsstücken (Briefe etc.) gehen: was kann weg, was wird eingelagert, was muss mit. Ich konnte mich jedoch zu nichts motivieren, nicht mal zum aufstehen. 

Nachdem ich einige Stunden vor mich hin gelitten hatte, entschied ich mich zu einem Mittagschlaf. Drei Stunden schlief ich. Eine gute Möglichkeit, sich vor der bösen Welt zu verstecken. 

Abends war ich mit meiner Freundin verabredet. Ich quälte mich aus dem Bett und entschied mich, etwas für mein Selbstbewusstsein zu tun. Ich schminkte mich, als würde ich fein ausgehen anstatt nur zum Shoppen. Es half tatsächlich: ich fühlte mich schon ganz anders. Mit meiner Freundin ging ich Einkaufen. Zum einen werde ich mich an meinem neuen Arbeitsplatz deutlich konservativer anziehen müssen als bisher, und brauche daher tatsächlich neue Sachen. Zum anderen habe ich nichts mehr, was richtig passt, all meine Sachen betonen den Bauch unvorteilhaft, da ich bisher gerne Figurbetonte Kleidung trug, die nun zu eng ist.

Ich fand ein paar schöne Stücle und hatte viel Spaß mit meiner Freundin. Wir schworen uns, ab nächster Woche eine Diät zu machen bzw. uns gesund zu ernähren, wollten heute aber nochmal richtig reinhauen. Kötbullar, MacDonalds Eis, Popcorn, das volle Programm. 

Meine Freundin, die ungefähr Zeitgleich mit mir das Land verlassen wird und die zudem keine deutsche ist und nur etwa ein Jahrlang hier gelebt hat, erzählte mir beim Essen, dass sie unbedingt nach Berlin möchte, solang sie noch hier  ist. Ganz spontan entschieden wir, das gemeinsam zu machen und buchten Zugtickets: Samstagmorgen hin, Sonntagnachmittag zurück. Zufällig fanden wir für die eine Nacht ein sehr interessant aussehendes Hotel Boot, das wir gleich buchten. 80€ hat uns das nun pro Person gekostet, für die Zugfahrt hin und zurück sowie eine Übernachtung und Frühstück. 

Die Vorfreude ist groß und der Tag gerettet. 

Ein Gedanke zu “Mimimi.

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