Zweifel 

…so stand ich da kürzlich, genervt und gestresst, mit einigen Leuten zusammen und fragte mich, warum vergeude ich meine wertvolle Zeit mit Dingen, viel mehr noch mit Menschen, die mir nicht gut tun, die mich nur belasten? 

Wieder einmal hatte ich mich zu einem Treffen überreden lassen, zu dem ich eigentlich keine Lust hatte. Immer wieder passiert mir das, früher noch häufiger als jetzt. Ich habe ein schlechtes Gewissen, möchte die anderen nicht verletzen. Ich fühle mich irgendwie schuldig und verpflichtet, mich mit ihnen zu verabreden. 

Hinterher bereue ich es meistens, doch die Schuld trage ich alleine – weil ich es nicht schaffe, nein zu sagen. 

So stand ich also da, und wünschte mir andere Menschen herbei, Menschen, die mir etwas bedeuten und die mir gut tun. 

Ich hing in einem Loch, wollte nicht mehr nach Irland, wollte niemanden zurück lassen müssen. 

Was tu ich hier eigentlich?! 

  • Meine Familie zurück lassen. 

Das was von den meisten als am schwersten eingeschätzt wird, stelle ich mir gar nicht so schwer vor. Zu einem Teil meiner Familie habe ich kein besonders gutes Verhältnis, andere Teile sehe ich auf Grund der großen Entfernung sowieso selten. Es wird sicher schwierig und ein komisches Gefühl sein, aber nicht das schlimmste. 

  • Meine Freunde zurücklassen. 

Meine Freunde, da ist es schon schwerer. Sicher, auch hier gibt es einige, mit denen ich mehr Telefoniere als sie wirklich zu treffen. Sicher wird mich auch der ein oder andere besuchen kommen. Doch irgendwie spielt da auch ein wenig Angst mit dazu. Aus den Augen aus dem Sinn? Welche Freundschaften werden halten, wen werde ich verlieren? Dennoch denke ich, so schwer der Abschied auch sein wird, wenn ich mal in Irland bin, wird es schon ok sein. 

  • Dann gibt es da noch ihn. 

Ihn, über den ich eigentlich nicht oft rede. Ihn, den ich seit meiner Kindheit kenne. Den ich vor 6 Jahren wieder getroffen habe. Ihn, in den ich vor 4 Jahren so verliebt war. 

Damals sollte es nicht sein. Es hat sich aber eine super Freundschaft entwickelt, aus der ab und an für eine Nacht oder zwei auch mal kurz mehr wurde. 

Ich hatte zwischendurch eine Beziehung. Er auch. Und jetzt? Jetzt ist alles anders, und doch wie immer. 

Seit etwa einem halben Jahr habe ich das Gefühl, dass sich das Verhältnis zwischen uns verändert hat. 

Ich mag es, dass nicht der Druck einer Beziehung hinter dem ganzen steht. Manchmal sehen wir uns oft nacheinander, und manchmal längere Zeit nicht. Manchmal schreiben wir uns x mal am Tag, und manchmal ein, zwei Tage gar nicht. Manchmal gehen wir aus und haben Spaß. Und manchmal sitzen wir gemütlich zusammen auf dem Sofa und machen einen kuscheligen DVD Abend. Manchmal läuft was, und manchmal nicht. Wir gehen sehr vertraut miteinander um, sehr locker. All das, was ich in früheren Beziehungen nie hatte. Ich schäme mich für nichts vor ihm, und er gibt mir nie das Gefühl nicht genug zu sein. Wenn wir ausgehen sind wir Freunde. Wenn wir zuhause sind… ja, was sind wir dann? Jedenfalls sehr anhänglich, das steht mal fest. 

Ich genieße es, aber es macht mir auch Angst. Wie sehr werde ich ihn vermissen? Wird es mir das Herz brechen? Werde ich es bereuen, ihn zurück gelassen zu haben? Wird es uns zusammen schweißen oder auseinander treiben? 

…so stand ich also da, und vergeudete meine Zeit mit Leuten, die mich nervten. Und ich wurde unendlich traurig. 

Einen ausgedehnter Spaziergang und einige aufbauende Worte von lieben Freunden später ging es mir schon wieder besser. Ich weiß, dass mir Irland gut tun wird. Ich muss es tun, für mich. Ich darf nicht wieder mein Leben nach jemand anderem richten und meine eigenen Bedürfnisse zurück stellen. Ich brauch den Neuanfang, den Tapetenwechsel. 

Doch diese Angst und Traurigkeit schwingt seitdem in mir. Ich will so viel Zeit wie möglich mit meinen Lieben verbringen – aber ich merke, dass jedes auseinander gehen noch ein wenig schwerer wird, je näher der Umzug rückt. 

Und was mach ich mit ihm? Ich weiß ja selbst nicht richtig was ich will. Wie könnte ich es ihm da sagen? Jetzt wo ich gehe? Aber ist es fair, nichts zu sagen, wenn es ihm doch vielleicht ähnlich geht? 

Wohin wird mich mein Weg führen? 

4 Gedanken zu “Zweifel 

  1. al schreibt:

    Ich verstehe deine Gedanken und Zweifel gut. Wenn man geht, lässt man immer etwas zurück, leider auch manches, was gut ist oder einem gut tut. Aber es bedeutet auch Perspektivenwechsel und Neuanfang ☺️

    Wer weiß schon, wie es die Beziehung zu deinem lieben Freund verändern wird? Ist man im Ausland angekommen, beginnt man Vieles mit Abstand zu sehen, neu zu bewerten und andere Schwerpunkte zu setzen… Genießt jetzt die Leichtigkeit eurer momentanen Beziehung und die gemeinsame Zeit, besucht euch gegenseitig und schaut einfach, wohin es führt ❤️ Was sein soll, soll sein und wird kommen – da glaube ich fest dran!
    Alles wird gut werden!

    Gefällt 1 Person

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