Alles falsch?!

Mal wieder wurde mir ungefragt eine Meinung aufgezwängt, die ich eigentlich gar nicht hören wollte.Demnach mach ich also alles falsch. Die Umzugsvorbereitungen, das Finanzielle, die Wohnungssuche, alles mach ich falsch.

Eigentlich gehört sie zu meinen engsten Freunden, doch offenbar gibt es Themen, die wir einfach nicht sachlich besprechen können. Das macht mich traurig und zieht mich gerade ganz schön runter. Ich versuche mal, das zu erklären – warum es zum Streit kommt, und was es mit mir / meiner Psyche macht.

Während ich schon eine ganze Weile stückchenweise meinen Umzug vorbereite, hat sie, obwohl sie zwei Wochen vor mir umzieht – ebenfalls ins Ausland – noch nichtmal angefangen, sich vorzubereiten. Statt dessen rät sie mir, so viele Sachen wie möglich zu verkaufen, um zu möglichst viel Geld zu kommen, mit dem ich dann in Irland meine Kaution bezahlen kann. Ich persönlich bin mehr für ein geben und nehmen – ich verschenke einiger meiner Sachen, wenn ich im Gegenzug dafür Hilfe erhalte. Meine Schwester zum Beispiel hat einige Bücher, DVDs und CDs von mir bekommen, dafür hat sie eine große Kiste mit meinen Dokumenten / Papieren bei sich, die sie für mich aus sortiert. Ich weiß nicht, wie meine Freundin sich das vorstellt – Hilfe annehmen, aber Geld verlangen, für alte, gebrauchte Dinge? – aber immer wieder geraten wir in Diskussionen, weil sie meinen Standpunkt nicht versteht.

Jetzt ging es um meine Wohnungssuche. Die Mietpreise in Irland sind so horrend hoch, so dass ich mir nur eine kleine Wohnung leisten kann. Zudem ist alles möbliert, und die kleinen Wohnungen im Stadtzentrum sind oft sehr schäbig. Ich muss an meine Katzen denken, es ist sowieso schon schwer eine Bleibe zu finden, in der Haustiere erlaubt sind. Ich möchte es den beiden Miezen auch ermöglichen, genug Platz zu haben, dass sie auch mal rennen können, oder sich aus dem Weg gehen. Dazu muss ich aber eher am Stadtrand schauen, dort sind die Preise etwas tragbarer und ich habe die Chance, dort eine kleine Wohnung mit getrenntem Schlaf- und Wohnzimmer zu finden. Wenn ich irgendwie kann, würde ich auch gerne am Meer wohnen, denn ich liebe es, spazieren zu gehen, und was gibt es schöneres, als am Strand entlang zu laufen? Meine Freundin hat dafür überhaupt kein Verständnis. Sie denkt nur daran, wie schwierig es dann wird, nachts heim zu kommen, wenn wir „Party machen“ waren, und dass es doch abends, nach der Arbeit, sowieso zu dunkel ist, um noch an den Strand zu gehen. Sie hat da, denke ich, einfach andere Bedürfnisse und will sich absolut nicht in mich hinein versetzen.

Zu „ihm“ hingegen verweigert sie mir ihren Rat, da sie der Meinung ist, die Situation wäre zu kompliziert und unverständlich, und ich sollte daher einfach „weiter machen“ und ihn vergessen.

Ich glaube nicht, dass ich es wirklich falsch angehe. Ich glaube, dass wir einfach unterschiedliche Vorstellungen haben von dem, was wir wollen, und deshalb an anderen Punkten ansetzen. Aber ist das auch so? Oder bin ich jetzt einer von den Menschen, der immer recht hat, und sein Unrecht nicht zugeben kann?

Mein Problem mit der Situation ist, dass ich mich fühle, wie ein kleines, dummes Kind.

Dank meiner Therapie bin ich stark genug, nicht mehr ganz tief zu fallen. Aber es belastet mich. Sehr. Zum einen ist mir Harmonie sehr wichtig, Streit und negative Gefühle kann ich nur sehr schlecht aushalten, beosnders mit Personen, die mir Nahestehen. Zum anderen fühle ich mich machtlos. Ich weiß, dass das nicht stimmt, ich kann mich wehren, ich kann was dagegen tun, notfalls drastische Maßnahmen ergreifen wie einen Kontaktabbruch, falls nötig. Aber das will ich  nicht, sie ist mir ja wichtig.

Oft genug wurde ich in meiner Kindheit verbal klein gemacht, immer wieder wurde mir gesagt, dass ich nichts tauge, dass ich dumm bin, undiszipliniert, faul. Das hat sich sehr tief eingegraben, und jemand, der meine Entscheidungen nicht akzeptiert, sondern versucht, mir seine eigene Meinung aufzudrängen, der versetzt mich in mein inneres Kind zurück.

Ich muss lernen, grenzen zu setzen, ganz bestimmt und deutlich, aber ohne mein Gegenüber dabei mit voller Wucht von mir zu stoßen. Das fällt mir schwer, das muss ich noch üben.

Im Moment allerdings möchte ich mich einfach nur im Bett verkriechen und erst wieder unter der Decke hervor krabbeln, wenn sich alle Probleme in Luft aufgelöst haben.

Schön wär’s.

 

12 Gedanken zu “Alles falsch?!

  1. al schreibt:

    ❤️ Ich sende dir eine virtuelle Umarmung! Gerade, wenn es Menschen sind, die einem nahestehen, ist es oft schwer, Grenzen zu setzen, Nein zu sagen… Und Unstimmigkeiten schmerzen extra, gerade, wenn man auswandert und sowieso alles irgendwie im Umbruch ist!

    Verkriech dich nicht. Alles wird gut werden und du wirst den Umzug auf deine Art meistern, deine Freundin auf ihre ☺️

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  2. unserlebenmitemily schreibt:

    so, jetzt schreibe ich dir mal was dazu….. was wir sonst niemandem erzählt haben…… Wir waren letzte Woche in England, zum ersten Mal. Das war so ein“ Schock“, dass es unser Leben total über den Haufen geworfen hat…. diese Freundlichkeit, mit der keiner von uns gerechnet hat, hat uns umgehauen. Seit wir zurück sind, haben wir den totalen Durchhänger. Du wirst merken, es sind nicht die Menschen allgemein, die oft schwierig sind… es ist die deutsche ruppige Mentalität, die Kummer bereitet. Wir haben auf all unseren Reisen niemals so viel ehrliche Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft erfahren. Und für die Iren soll übrigens das gleiche gelten 😉. Also: nur Mut.

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