3 Wochen noch 

Dann wird es ernst. 

Gestern war meine Abschiedsfeier. Nachdem ich am Tag zuvor abends zwei Gläser Wein getrunken hatte, merkte ich direkt beim aufwachen, wie depressiv meine Stimmung war. Alkohol fördert Depressionen, und je weniger ich insgesamt trinke, desto stärker merke ich die Wirkung auch schon bei kleinen Mengen. Ich war nicht verkatert, hatte keine Kopfschmerzen – aber fühlte mich einfach mies. 

Ich hatte den Tag frei und wollte noch einiges erledigen. Statt dessen lag ich im Bett, döste vor mich hin und konnte mich zu nichts aufraffen. Als dann einer meiner engsten Freunde auch noch wegen einer Erkältung absagte, war der Tag für mich gelaufen. Ich hatte keine Lust auf die Feier, wollte niemanden sehen und mich nur im Bett verkriechen. Wie immer wenn es mir nicht gut geht war ich unendlich müde. Ich lag auf dem Sofa und konnte mich nicht aufraffen, duschen zu gehen, mich anzuziehen und zu richten. 

60 Leute hatte ich eingeladen, 40 davon hatten zugesagt. Ich hatte einen Raum mit 30 Sitzplätzen in meinem Lieblings Pub reserviert. Als dann über den Tag verteilt noch mehrere kurzfristig absagten, bekam ich etwas Angst. Unterstützt von der negativen Stimmung befürchtete ich, dass einige Leute vielleicht auch vergessen hatten, dass ich feiere, und dass ich den Raum vielleicht nicht voll bekommen würde. Ich hatte Sorge, dass der Pub mir dann Ärger macht, weil dadurch Umsatz verloren gehen würde. Ich dachte, dass die Atmosphäre vielleicht nicht gut werden würde. Ich hatte Angst und wurde noch müder. 

Natürlich habe ich mich doch aufgerafft und bin auf die letzte Sekunde zur Tür raus. Am Bahnhof traf ich mich mit den ersten beiden Gästen, und kaum im Pub angekommen, trafen schon die nächsten ein. 

Was soll ich sagen? Die Sorgen waren unbegründet! Insgesamt kamen 38 Leute über den Abend verteilt. Alle betonten mehrfach, was für eine tolle Stimmung war, wie gut das Essen war und was für eine tolle Mischung aus alt und jung, Familie und Freunde zusammen kam. Es war eine sehr gelungene Feier. 

Als ich diese Kette geschenkt bekam, flossen die ersten Tränen. Meine Freundin, die ich seit weit über 20 Jahren (also fast mein ganzes Leben lang) kenne, hat den Anhänger selbst gemacht. Ausgesägt aus einem Autoteil und mit Hilfe ihres Freundes graviert, ist dieses Stück echte Handarbeit und damit für mich besonders wertvoll. Der Satz „because our story never ends“ hat eine Doppelbedeutung: zum einen ist hier natürlich unsere Freundschaft gemeint. Zum anderen ist das aber auch eine Anspielung auf das Projekt Semikolon – daher auch der Strichpunkt auf der Rückseite. Ich habe das Semikolon auch als Tattoo auf dem Arm und meine Freundin weiß, wie viel es mir bedeutet. Ich war zu Tränen gerührt. 

Als ich dann alleine zuhause war, und die sehr schönen und persönlichen Karten und Geschenke und auch die Fotos anschaute (mein Handy hatte ich einigen Freunden gegeben, die damit fotografiert hatten. Daher waren die Bilder für mich eine Überraschung), musste ich ziemlich weinen. Ich war überwältigt von der Feier, von den vielen Leuten die da waren, die wegen MIR gekommen waren. Ich war gerührt und gleichzeitig natürlich traurig, besonders auch wegen dem Freund, der abgesagt hatte. Natürlich hatte ich auch wieder Alkohol getrunken… 

Jetzt mit etwas Abstand kann ich sehen, wie schön meine Abschiedsparty war, aber letzte Nacht konnte ich meine Gefühle nicht wirklich zu ordnen und war total überfordert mit der Vielzahl an Emotionen, Eindrücken und Gedanken. 

2 Gedanken zu “3 Wochen noch 

  1. unserlebenmitemily schreibt:

    ohjeh, für so etwas wäre ich zu sensibel. Das würde meine Entscheidung ins Wanken bringen. Weil man doch viel aufgibt. Du bist echt ein starker Mensch, super. Die wenigsten wagen so einen gewaltigen Schritt, wenn sie so eingebettet sind in ihr Umfeld.

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    • Lela G schreibt:

      Ich dachte auch immer, dass das für immer ein Traum bleiben würde, und ich niemals den Mut hätte, ihn umzusetzen. Und was soll ich sagen….jetzt steh ich da und mach einfach! 🙂 aber manchmal frag ich mich schon auch, was ich mir dabei gedacht habe. Nicht weil ich dort nicht hin möchte, aber weil die Vorbereitungen so anstrengend sind und die Abschiede natürlich schwer.

      Gefällt 1 Person

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