Belfast und die Sache mit den Männern

Für Samstag hatte ich eine Tagestour für Touristen gebucht. Meiner Meinung nach eine gute und günstige Möglichkeit, das Land kennen zu lernen – man verliert keine Zeit beim suchen nach dem richtigen Weg, meistens sind Eintrittsgebühren von diversen Sehenswürdigkeiten inklusive, und man lernt vieles, oft nicht nur Zahlen und Fakten, sondern Geschichten aus dem „echten Leben“. 

Diesmal war also Connemara geplant, die Westküste. Auf Grund des Wetters wurde die Tour leider abgesagt und mir wurde alternativ ein Trip nach Belfast angeboten. Na gut – dann eben dort hin! 

Belfast selbst war interessant. Ich habe eine sogenannte black cab tour gemacht, in der man beide Seiten Belfasts kennenlernt, die katholische und die protestantische. 


Die „Peace Wall“ zieht sich über 5km durch Belfast und die Tore werden jede Nacht geschlossen, um Katholiken und Protestanten getrennt zu halten. Trotzdem vergeht scheinbar kein Tag, an dem nicht irgendwas über den Zaun fliegt – Steine, Feuerwekskörper, Molotowcocktails. 


Vor dem Rathaus eine Demonstration der Protestanten, die die englische Flagge sehen möchten – das Rathaus hat absichtlich weder die eine, noch die andere Flagge gehisst. 


Überall sieht man Graffitis an den Wänden, je nach Viertel natürlich unterschiedliche. 

Bei diesen Tagesausflügen nehmen hauptsächlich Touristen Teil, somit kommen die meisten zu zweit oder in Gruppen. Dieses Mal war außer mir noch ein zweiter einzelner Teilnehmer – ein junger Mann, wo er her kam, tut erstmal nichts zur Sache. 

Natürlich kamen wir ins Gespräch, was soweit auch erstmal ok war. Bei den diversen Stops habe ich aber versucht, mein eigenes Ding zu machen. 

Auf dem Rückweg kam dann für mich der absolute Hammer: er hat mich tatsächlich gefragt, ob ich mir zu ihm ins Hotel kommen würde, da wäre eine Bar mit live Musik. 

Natürlich habe ich abgelehnt. Daraufhin meinte er, das sei kein Problem, ich könnte ruhig erst nach Hause fahren und mich frisch machen, er würde mir dann gegen 8 Uhr ein Taxi schicken, wir können dann essen auf sein Zimmer bestellen und einen Film schauen. 

Ich war wirklich absolut sprachlos. Ich hatte Jeans an und ein dickes weites Sweatshirt, nichts, womit ich falsche Signale gegeben haben könnte. Aber selbst wenn ich etwas anderes getragen hätte: mit welchem Recht macht der mir so einenVorschlag? 

Wie soll man sich als Frau noch wohlfühlen, wenn man alleine unterwegs ist? Einerseits wird von der Gesellschaft fast schon erwartet dass man sich hübsch macht, und manchmal tut einem das ja auch selbst gut, wenn man sich schön und sexy fühlt. Wenn man aber selbst in Jeans und Turnschuhen schon solche Angebote bekommt… was denken sich die Männer eigentlich? 

Mich macht das richtig wütend! 

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