Big. Fat. Fail. 

Gestern war ich mit meiner Vorgesetzten in Liverpool zu einer Kommunikationsschulung, die ich vor 3 Jahren in München schonmal absolviert habe, die aber jetzt eben jeder in UK und Irland machen muss. 


Soweit war nichts Neues dabei, nichts, was mich großartig beeindruckt oder weiter gebracht hätte. Interessant war sicherlich, diverse Gesprächstaktiken auf englisch zu hören, denn so gut mein Englisch auch ist, es ist nunmal nicht meine Muttersprache. 


Leider kam dann doch noch das große Versagen meinerseits: 

Wir mussten in Rollenspielen Situationen aus dem Arbeitsalltag nachstellen, derjenige der den Kunde spielte, blieb an seinem Tisch sitzen, der Kollege saß vorne im Raum an einem nachgebauten Schreibtisch und wurde gefilmt. Hinterher wurde der Film angeschaut und analysiert. 

Da ich große Schwierigkeiten hatte, die Kollegen aus Liverpool zu verstehen, und diese sich auch größtenteils keine Mühe gaben, langsamer zu sprechen, war ich froh, meine Chefin dabei zu haben. 

Es war noch alles ok, als ich den Kunden spielte und sie den Kollegen. Doch als ich an der Reihe war, hatte ich mehrere Probleme auf einmal.

  • Ich habe wahnsinnig Prüfungsangst, Lampenfieber, wie man es auch nennen mag. Situationen, in denen ich, auf welche Art auch immer, geprüft, beobachtet oder bewertet werden, lösen bei mir regelrechte Panikattacken aus. 
  • Ich war verschanzt hinter Bildschirm und Telefon am einen Ende des Raums, meine Chefin saß ganz hinten am anderen Ende, Kopf in ihrem Skript vergraben, der Raum hallte durch seine hohe Decke leicht und ich hatte – evtl vom Flug noch – einen Druck auf den Ohren. 

Ich legte das Telefon, das wir tatsächlich ans Ohr halten sollten, um die Sutuation realistisch nachzuspielen, beiseite. Ich fragte nach, ob meine Chefin nochmal wiederholen könnte, was sie gesagt hat. Ich versuchte, über den Bildschirm zu sehen, denn wenn ich jemanden sehe, fällt es mir leichter, die Person zu verstehen. Doch je mehr ich mich darauf konzentrierte, desto weniger konnte ich sachlich und vernünftig auf das „Telefonat“ reagieren. 

Es endete damit, dass meine Chefin selbst verwirrt war und vom Skript abkam, ich Auskünfte gab, die sie noch gar nicht angefragt hatte, und der Schulungsleiter in das Gespräch eingriff. Ich war die letzte, die das Rollenspiel machte, und ganz zufällig hat ausgerechnet da die Kamera nicht funktioniert, so dass wir mein Gespräch nicht analysieren konnten. 

Der Schulungsleiter wies nochmal drauf hin, dass englisch nicht meine Muttersprache ist und ich erst seit kurzem in Dublin bin. Meine Chefin entschuldigte sich dafür, dass sie vom Skript abkam und sagte mir, dass auch sie Probleme mit dem Verstehen / der Akustik hatte. 

Trotzdem fühlte ich mich schlecht. Ich habe Versagt. 

Seit mehr als 11 Jahren mache ich diesen Job. Ich sollte so ein Gespräch ohne Probleme führen können – auch auf englisch. Ich weiß, dass ich es im Notfall / Ernstfall vermutlich auch irgendwie hinkriegen würde. Vor allen anderen habe ich mich aber gewaltig blamiert.. 

Seitdem überlege ich nun auch, ob ich vielleicht mal meine Ohren überprüfen lassen sollte..?! Als Kind hatte ich Probleme mit meinem Trommelfell. Meine Mutter und Schwester haben große Probleme am Telefon oder in größeren Räumen mit vielen Leuten zu verstehen und zu filtern, welche Stimmen zum eigenen Gespräch gehören und welche nicht. Die Tatsache, dass ich gestern nur von einem Bildschirm vor mir solche Probleme hatte, die Worte zu hören, und ich die Person ansehen muss, um zu verstehen, macht mir Sorgen. 

Außerdem werde ich versuchen, in der nächsten Zeit öfter mit irischen Freunden zu telefonieren. Mir fällt es immer schwer, am Telefon fremde Dialekte zu verstehen. Vielleicht gewöhne ich mich besser daran, wenn ich einfach mehr telefoniere – und zum üben bieten sich private Gespräche wohl besser an als Geschäftliche. 

Ich muss mich jetzt jedenfalls erstmal erholen von der Aufregung. 

12 Gedanken zu “Big. Fat. Fail. 

  1. autistanbord schreibt:

    Ohren: Schaden kann es nie was. Egal, was dabei rauskommt – entweder es ist alles OK, und du hast die Bestätigung (und vermutlich Beruhigung) dass es so ist, oder es ist irgendwas, dann ist früher feststellen immer besser als später, denn das Gehirn „verlernt“ präzises hören auch.

    Schulung:
    – Englische Mundarten: Das hat vermutlich weniger mit „Nicht Muttersprache“ zu tun, sondern wäre einem New Yorker an deiner Stelle auch nicht anders gegangen. Stell dir mal vor, du kommst aus Bayern und sollst mit jemandem aus Hamburg oder Berlin telefonieren, der redet, „wie ihm der Schnabel gewachsen ist“. Oder umgekehrt. Da hast du genauso „Spaß“. (ich bin mit EN aufgewachsen, habe 20 Jahre lang Kontakt mit englischsprachigen Menschen aus allen möglichen Gebieten und muss mich immer noch erst „einhören“.) Also mach dir da bitte keine Gedanken wegen „fail“.

    – Du schreibst, dass du nicht die einzige warst, die die Raumsituation als ungünstig empfunden hat.

    Also, ich sehe da kein Versagen, sondern ein unglückliches Zusammentreffen von ein paar ungünstigen Situationen.

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    • Lela G schreibt:

      Danke, du hast vermutlich recht… ich kam mir nur so blöd vor, ich bin von allen Teilnehmern mit am längsten in der Firma und habe am schlechtesten abgeschnitten…. das nagt am Selbstbewusstsein. Vorallem da mir das als Kind immer eingetrichterte wurde, dass ich ein versager bin, und ich immer dagegen ankämpfe, diese Stimme im Hinterkopf stumm zu stellen.

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  2. al schreibt:

    Du hast nicht versagt!

    Schau mal, vor ein paar Tagen erst bist du in ein völlig neues Land gezogen, musst dich an die Sprache und die kulturellen Eigenheiten gewöhnen und, wenn ich das richtig verstanden habe, hast du ja auch gleich angefangen zu arbeiten, ohne dich wirklich von der Auswanderung zu erholen bzw. dich zu akklimatisieren… Das sind riesen Dinge, die du da gerade im Eiltempo durchläufst, da ist es doch völlig klar, dass nicht alles perfekt ist. Sei nicht so streng mit dir und gibt dir ein kleines bisschen mehr Zeit ❤

    Alles wird gut :*

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    • Lela G schreibt:

      Ja, einen freien Tag hatte ich, bevor die Arbeit anfing. Ich bin da halt wieder von meinen versagensängsten geplagt – da kommt dann doch die kleine Stimme wieder hoch, die mir sagt dass ich doch sowieso zu blöd bin.

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      • al schreibt:

        Also, ich muss ja sagen, bei Rollenspielen krieg‘ ich ja auch immer so leichte Panikattacken 🙂

        Wichtig ist doch, und das musst du dir immer wieder vor Augen führen, dass du weißt, dass du es in der Realität hinbekommst! Und irgendwann wirst du am Strand sitzen, auf die Brandung am Meer schauen, in dich hinein horchen und erkennen, dass die kleine böse Stimme verschwunden ist, denn du hast dir deinen Traum verwirklicht, bist endlich angekommen und das ist eine riesentolle Sache!

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