Zahnarzt auf irisch

Ich weiß jetzt, wie Zahnarzt auf irisch geht: nämlich gar nicht.

Das, was die irische Version der gesetzlichen Krankenversicherung ist, ist mehr oder weniger nicht vorhanden. Also, es gibt sowas schon, aber da ist fast nichts abgedeckt. Deshalb hat meine Firma für alle Mitarbeiter private Krankenversicherungen abgeschlossen.

Nun war es also soweit, dass sich mein ätzender Zahn wieder meldete. Erst dachte ich, der ist gereizt vom nächtlichen knirschen. Ich hab also brav meine Schiene nachts getragen, trotzdem wurde es nur schlimmer statt besser. Es musste also ein Zahnarzt her – und das am Geburtstag. Na toll.

Ich fing also an rum zu suchen, fragte alle möglichen Kollegen um Rat, denn so einfach ist das hier nicht – nur die Ärzte, die mit der jeweiligen Krankenversicherung zusammen arbeiten, können aufgesucht werden. Zufällig fand ich dabei heraus, dass wir eine separate Zahnversicherung haben. Diese Firma hatte wohl vergessen, meine Unterlagen zu schicken, so war mir bis gestern gar nicht bewusst, dass ich da noch eine Versicherung habe!

Also ging die Suche wieder von vorne los – ein Arzt, der mit dieser Versicherung, nicht mit der anderen arbeitet musste her. Ich funkte mehrere an – doch trotz meiner Schmerzen hatten sie alle erst Termine Ende der Woche / Anfang nächster Woche. Ich war drauf und dran einfach in eine Praxis zu laufen und einen Sitzstreik zu veranstalten, da bekam mein Chef Wind von der Sache.

Er machte kurzen Prozess und rief seinen Zahnarzt an, den er wohl schon lange und gut kennt, und schaffte es, mir für den nächsten Tag – also heute Mittag – einen Termin zu besorgen. Bevor ich den Termin aber wahrnehmen konnte, musste ich die Versicherung anrufen und den Termin avisieren. Die Versicherung wiederum rief daraufhin beim Zahnarzt an um zu bestätigen, dass ich bei ihnen versichert bin.

Es war dann also endlich soweit: ich durfte zum Zahnarzt. Sie schaute sich meinen Zahn an, machte ein Röntgenbild, stellte jede Menge fragen, und diagnostizierte dann eine Infektion am Wurzelkanal. Ja, das war jetzt nicht so überraschend, ich hatte dieses Drama ja schon einige Male an diesem Zahn. Gemeinsam entschieden wir also, dass die Zeit gekommen war, den Zahn einfach zu entfernen. Ich hatte schon damit gerechnet und war erleichtert, dass endlich was gegen die Schmerzen getan wird.

Ja, falsch gedacht. Die Ärztin konnte die Behandlung nicht starten, weil sie erst eine Genehmigung der Versicherung benötigt. In Deutschland hätte man den Zahn zumindest geöffnet und Medikamente in den Wurzelkanal gemacht, um die Schmerzen in den Griff zu bekommen. Nicht so hier.

Hier wird gar nichts gemacht. Antibiotika habe ich verschrieben bekommen, welches aber nicht vorab mit der Versicherung besprochen war, und deshalb muss ich es selber zahlen. Für den Zahnarztbesuch musste ich – anteilig – 40 Euro zahlen. Dazu noch Schmerzmittel und ein Nelkenöl das grausig schmeckt aber gut betäubt. Insgesamt über 60€ und gemacht wurde noch gar nichts!

Meinen Unmut über das irische Gesundheitssystem konnten meine Kollegen überhaupt nicht nachvollziehen. Sie kennen es ja nicht anders und finden es völlig normal.

Ich habe mich daher bei meiner Nachbarin ausgekotzt, die aus Kroatien kommt und so ein Verhalten / System auch nicht gewöhnt ist.

Meine Nachbarin ist Köchin, und kurz nachdem ich nach Hause kam, stand sie vor meiner Tür – mir einer Schale selbstgemachter Suppe für mich. Das hat irgendwie den Tag gerettet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s