Zwischen Ehrgeiz und Neid

…ist oft nur ein schmaler Grad.

Momentan frage ich mich, auf welcher Seite ich stehe.

Ich liebe es zu fotografieren. Ich möchte mich verbessern, lernen. Deshalb nehme ich Unterricht. Mit meinem „Mentor“ habe ich mich mittlerweile ziemlich gut angefreundet. Zusätzliche den (kostenlosen) Unterrichtsstunden steht er mir fast schon 24/7 per Handy zur Verfügung. Ok das ist etwas übertrieben, aber wann immer ich eine Frage habe, die Antwort lässt nie lange auf sich warten und ist immer ausführlich. Ich weiß das sehr zu schätzen und im Gegenzug helfe ich ihm mit Dingen, bei denen ich ihm eben helfen kann. Ich poste meine Fotos auf diversen Plattformen und freue mich über jede Kritik genauso wie über jedes like. Ich mache dabei aber einen Unterschied, ob der like von einem (Hobby-)Fotografen oder – überspitzt dargestellt – von meiner Mutter kommt. Ich weiß, dass meine Bilder nicht schlecht sind, ich aber noch einen weiten Weg des Lernens vor mir habe.

Und dann gibt es da SIE. Ich fand SIE zufällig auf Instagram, denn ihr Name tauchte immer wieder auf den Profilen aller (Hobby-)Fotografen aus der Region auftauchte. Ihre Bilder zeigen fast ausschließlich Sonnenaufgänge und all diese Orangetöne sind wirklich toll. Vor einiger Zeit war ich dann mal selbst zum Sonnenaufgang am Strand, und lernte SIE zufällig kennen. Ich erfuhr, dass SIE zwar eine Spiegelreflexkamera besitzt, diese aber überhaupt nicht bedienen kann und daher alles mit ihrem Handy fotografiert. SIE hatte überhaupt keine Ahnung von Bildaufbau etc. und rannte nur wie wild durch die Gegend und schoss wahllos Fotos. SIE arbeitet nicht, ist „nur“ Mutter und Hausfrau, ihre Kinder sind alt genug, keine ständige Betreuung zu brauchen. SIE sagt selbst, dass SIE viel Zeit hat – Zeit, jeden Tag zu fotografieren. SIE hat keine Ahnung, was SIE tut – aber SIE hat etwa fünfmal so viele „Follower“ wie ich. Jeder liebt ihre Bilder, SIE wird re-posted von großen Hubs. Zu Weihnachten hat SIE eine noch bessere Spiegelreflexkamera bekommen, und damit SIE endlich vom Handy umsteigt auf Kamera, nimmt SIE jetzt Unterricht. Bei „meinem“ Fotografen.

Klar – ich hab ihr erzählt wie gut der Unterricht ist. Klar, SIE zahlt dafür, ich nicht, denn ich bin eine Freundin, SIE ist eine Kundin. Und das wird auch so bleiben. Trotzdem bin ich mir gerade nicht sicher, ob ich einfach nur den Ehrgeiz habe besser zu werden, dazu zu lernen, besser zu werden als andere (Hobby-)Fotografen. Oder ob ich schlichtweg neidisch bin, neidisch auf jemand, der wahnsinnig viel Aufmerksamkeit bekommt für ein paar „Glückstreffer“.

Mein Mentor sagt mir, dass ich das bessere Auge habe, dass ich Selbstbewusster sein soll, mir mehr zutrauen soll. Dass meine Bilder die besseren sind. Er hat mir ein irisches Sprichwort genannt: Wenn man genug scheisse an die Wand schmeißt, bleibt irgendwann was hängen. Und er hat recht – das letzte mal, als ich SIE getroffen habe, hat SIE doppelt so viele Fotos gemacht wie ich, aber die gleiche Anzahl gepostet. SIE fotografiert sehr viel öfter als ich, trotzdem poste ich genauso oft Fotos wir SIE.

Trotzdem nervt mich das gerade irgendwie. Und ich weiß gar nicht so richtig warum.

2 Gedanken zu “Zwischen Ehrgeiz und Neid

  1. autistanbord schreibt:

    Du, ich glaube solang du dir diese Frage stellst, brauchst du dir da keine Gedanken zu machen…

    Meine Mutter sagt etwas Ähnliches wie dein Lehrer… darüber, dass jetzt in Zeiten von Digicam und Handy selbst mein Vater gute Bilder schießt.
    Sagen wir mal so: Selbst mit aller-allerbestem Willen ist da nichts schönzureden: Mein Vater und Kameras passen objektiv einfach nicht zusammen, aber er liebt es, Fotos zu machen… Früher SEHR zum Ärger aller, die dann drauf waren. Da waren es dann 24 oder 32 Bilder pro Veranstaltung und die MUSSTEN hergezeigt werden. Heute haben wir nach Weihnachten z.B. durchaus einei 100 Bilder auf sämtlichen Geräten, die er in der Hand hatte… ein paar, die man vorzeigen kann, sind dann schon dabei.

    tl;dr: Jo, würde auch sagen, das Verhältnis zwischen geschossener Bilderanzahl und vorzeigbarer Bilderanzahl ist aussagekräftiger…

    Gefällt 1 Person

    • Lela G schreibt:

      Die Vorstellung von deinem Vater und seinen Fotos hat mich jetzt grad irgendwie zum grinsen gebracht, danke.

      Ich bin einfach sehr selbstkritisch-vielleicht manchmal zu sehr. Wenn dann so eine daher kommt, die keine Ahnung hat aber vor Selbstbewusstsein nur so strotzt…und dann auch noch so viel Aufmerksamkeit bekommt. Das gibt mir halt zu denken.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s