Endlich!

…it feels like forever, seit ich das letzte mal an meinem Schreibtisch saß.

Die letzten Wochen waren einfach crazy busy, die Wochenenden waren verplant, die Arbeit stressig und viel, und Ruhe hatte ich eigentlich gar keine. Dann kam noch dazu, dass meine Wohnung oft recht kalt war / ich, und ich somit meistens wenn dann den Laptop mit ins Bett genommen habe, anstatt an meinen Schreibtisch zu sitzen. Irgendwie fühlt sich das im Bett aber immer so gehetzt an, nicht so richtig entspannt, obwohl es natürlich viel bequemer ist.

Heute habe ich lange geschlafen und bevor ich aufstehen konnte, bin ich direkt wieder eingeschlafen. Als ich endlich mal aus den Federn kam, war es schon halb 5. Es hat aber gut getan und ich bin deutlich entspannter! Ich hatte endlich die Zeit und Energie, aufzuräumen und zu putzen und ich fühle mich jetzt wieder viel wohler in meiner Wohnung und in meiner Haut.

Endlich habe ich auch Zeit, mich an meinen Schreibtisch zu setzen und auf eine weitere Frage einzugehen, die ich hier kürzlich gestellt bekommen habe:
Suzyintheflow wollte wissen, ob die Iren wirklich so sind, wie man sie sich eben vorstellt. Rothaarig, betrunken und dauernd am musizieren. Eine sehr interessante Frage, und ich habe die letzten Tage, besonders letztes Wochenende, als meine Freundin zu besuch war (davon kommt noch ein extra Post), noch mehr und bewusster beobachtet als sonst.

Nachdem wir am Samstag mittag im Phoenix Park die Rehe besucht haben, waren wir abends feiern. Die Kneipe, in der wir waren, liegt am Rande von Temple Bar, dem absoluten Party Viertel. Temple Bar wurde tatsächlich für die Touristen aufgebaut, nicht immer waren dort Kopfsteinpflaster und Pubs an jeder Ecke zu finden. Es ist total überteuert – je nach Kneipe, Uhrzeit und Wochentag kann ein Bier bis zu 14 Euro kosten – aber ich gebe zu, die Atmosphäre dort ist eine ganz besondere.  Kennengelernt haben wir an dem Abend deutsche, die sich, bekanntermaßen, besonders im Urlaub gerne betrinken und daneben benehmen. Ich glaube manchmal, dass Irland (Temple Bar) das neue Malle ist. Aber es soll ja nun um die Iren gehen, und die erkennt man auch im Touristen Gewusel immer von weitem. Nicht wegen der roten Haare (dazu komme ich später), auch nicht wegen der Musik, sondern wegen dem Make Up und der Kleidung.

Irische Mädels tragen immer, egal bei welchem Wetter, genau das, was gerade modern ist. Zur Zeit also weite Stoffhosen die den Po in die Länge ziehen mit bauchfreien Tops dazu, oder Bleistiftröcke aus Spitze oder anderen interessanten Materialien und dazu natürlich ebenfalls das bauchfreie Oberteil, meist sogar passend zum Rock aus dem gleichen Material / Muster. Dazu kommen Meterhohe High Heels, in denen kein Mensch laufen kann und die auf Temple Bars Kopfsteinpflaster richtige Mordinstrumente werden, und eine Tonne Make Up und Spray Tan. Irische Mädels haben grundsätzlich haufenweise Make Up im Gesicht, die Augenbrauen sind aufgemalt, Lippen und Augen werden gleich stark betont und dazu kommen dann orangene Flecken am ganzen Körper von der schlecht aufgetragenen Bräunungscreme. Das Orangerot, das man bei den Iren erwartet, findet man also tatsächlich, aber auf der Haut, nicht auf dem Kopf.

Rote Haare gibt es hier wirklich oft, aber ich glaube nicht, dass es viel öfter ist, als in anderen Ländern. Irland ist einfach nur ein kleineres Land und Minderheiten fallen daher sehr viel mehr auf. Der typische Ire, wenn er nicht gerade rote Haare hat und Paddy heißt, ist überraschend dunkel. Viele Leute hier, vorallem die Männer, haben einen deutlich südländischen Einschlag, besonders in den Küstenregionen im Süden. Dort kamen vor langer langer Zeit viele Spanier an, die versuchten, Irland zu erobern. Ihre Spuren haben sie definitiv im Genpool hinterlassen. Im Westen der Insel findet man tatsächlich oft krumme Zähne, schiefe Nasen, abstehende Ohren. Irland wurde in der Vergangenheit besetzt, hauptsächlich von den Engländern, aber auch von anderen Nationen. Dublin zum Beispiel wurde von den Wikingern gegründet, nicht von den Kelten, wie man vermuten mag. Die Iren – also das irische Urvolk – wurde von all den anderen Völkern, die hier einliefen, in den Westen verdrängt. Dort war das Land so felsig, dass es eigentlich unbrauchbar war. Um wenigstens von irgendwas leben zu können, buddelten die Menschen dort die Steine aus dem Boden, und um die Steine aus dem Weg zu bekommen, wurden sie zu Mauern aufgeschichtet. Diese Steinmauern, die ohne Zement, Beton oder sonstige Hilfsmittel gebaut wurden, stehen heute noch und sind eins der vielen Merkmale, die man sofort mit Irland verbindet. Zurück zu den Iren! Dort im Westen kamen die fremden Einwanderer für eine lange Zeit nicht hin, es gab also viel Inzucht. So blöd es auch klingen mag, aber in manchen Gegenden / Familien kann man das heute noch sehen. Irinnen haben oftmals ein relativ rundes Gesicht. Zusammen mit den Bräunungscremes führt das dazu, dass selbst irische Männer oft von „laufenden Orangen“ sprechen.

Die Iren und der Alkohol
Ja, Iren trinken viel. Trinken / Betrunken sein wird hier als ganz normal angesehen. Firmenfeiern beinhalten immer (viel) Alkohol und es ist überhaupt kein großes Thema, wenn der Chef bei selbiger Feier vom Stuhl fällt weil er so Besoffen ist. Es ist aber tatsächlich mein deutscher Chef, der unter der Woche und vorallem auch in der Mittagspause mal ein Bier oder Glas Wein trinkt – von den irischen Kollegen habe ich sowas noch nicht gehört! Abends vielleicht mal, ja, aber nicht zum Mittagessen. Im großen und ganzen haben die Iren eine ziemlich hohe Alkohol Toleranz, was dazu führt dass auch nach vielen vielen Gläsern Bier – oder Pints, wie man hier sagt – die Stimmung noch ausgelassen und gut ist. Die Deutschen werden ja leider oft recht aggressiv nach ein paar Bier. Betrunkene Iren fangen an zu singen und zu tanzen und haben einfach „craic“ (bedeutet Spaß und hat nichts mit der Droge crack zu tun, sondern kommt aus der irischen Sprache)

Somit wären wir auch bei der Musik angekommen.
Ja, es gibt in Irland unwahrscheinlich viele Musiker, die Mehrheit davon auch wirklich talentiert. Nicht alle Familien haben eine wirkliche Verbindung zur traditionellen irischen Musik. Die findet man tatsächlich nur noch bei denen, die sie selber spielen, bei ein paar alten Menschen und eben in Touristen Kneipen. Man muss schon etwas gezielter suchen um die wirklichen trad sessions zu finden. Aber auch die meisten restlichen Iren, die nichts mit der traditionellen Musik zu tun haben, sind gute Sänger. Einer der Gründe, warum es hier so viele Musiker gibt, so sagt man zumindest, ist dass in Zeiten der britischen Besetzung Irlands alles irische Verboten war: die Sprache, der Tanz, die Musik. Die Mehrzahl der irischen Harfen wurde von den Engländern verbrannt, und in einem verzweifelten Versuch, die irische Kultur am Leben zu erhalten, hat die Oberschicht der Unterschicht alle Lieder beigebracht, die sie so kannten, in der Hoffnung, dass irgendwas davon weiter gegeben wird. Ob das wirklich der Hintergrund ist, warum Irland ein solch musikalisches Land ist, weiß ich nicht, aber die Geschichte passt gut zum romantisch-dramaischen Bild, in dem die Iren sich selbst gerne sehen.

Ein letztes Klischee möchte ich noch abhaken: das Wetter.
In Irland regnet es nicht immer! Es regnet häufig, ja. Aber meistens nur relativ kurz. Der Frühling ist in der Regel besonders feucht. Dafür ist der Winter um einiges wärmer als in Deutschland, und ich habe schon von vielen unserer Hamburger Azubis, die für ca. 6 bis 8 Wochen in Dublin arbeiten, gehört, dass es dort, in Hamburg, viel mehr regnet. Vorallem länger am Stück. In Irland hat man oft alle vier Jahreszeiten an einem Tag, das ist etwas, das ich so unterschreiben kann. Es kann von kalt zu regen wechseln, kurz danach kommt die Sonne raus und dann stürmt es…. Im großen und ganzen ist es aber wirklich erträglich, finde ich.

Das alles sind natürlich nur meine persönlichen Beobachtungen und Ideen – wobei, ein paar der geschichtlichen Hintergründe habe ich tatsächlich von Iren selbst so erfahren. So generell gesehen ist Irland auf jeden fall wirklich so romantisch und freundlich, wie man es bei Rosamunde Pilcher sieht. 🙂

4 Gedanken zu “Endlich!

  1. Jasmin schreibt:

    love this! 🙂 …Gerade festgestellt, dass mein Besuch bei Dir meine siebte Irlandreise war. 😉 Und ja, so langsam blicke ich auch „hinter die Kulissen“.
    Alkohol ist dort definitiv etwas VÖLLIG Normales – das kann teilweise schon erschrecken, finde ich. Aber auch nicht über-dramatisch. Besonders aber die Frauen trinken auch ordentlich… das fand ich schon beachtlich. 😉

    Ach. Irland. ❤

    Gefällt 1 Person

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