Zurueck zum Ursprung.

Mein Blog war eigentlich mal dazu gedacht als Ventil fuer meine Emotionen. Eine Art Tagebuch, anonym und ehrlich. Ich wollte berichten, wie es mir psychisch geht, wie ich mit dem Umzug in ein anderes Land umgehe. Mit den Vorbereitungen, und dann auch mit dem neuen Leben. Anfangs habe ich das auch so gemacht, doch je besser es mir ging, desto mehr wurde es zu einer eher emotionslosen Berichterstattung meines Lebens.

Natuerlich macht es mir Spass, euch meine Fotos zu zeigen und zu erzaehlen, was ich erlebe. Es ist auch ein grosser Fortschritt, dass es mir so gut geht, dass ich nicht das Gefuehl habe, mich „auskotzen“ zu muessen (obwohl ich das ja manchmal immernoch mache). Ein bisschen fehlt es mir aber auch. Immer wieder sitze ich vor meinem Laptop (oder am Handy) und will etwas schreiben, und denke mir ach nee, das ist viel zu persoenlich, das kann ich nicht sagen, das ist peinlich, das koennte evtl jemand lesen, der mich doch kennt….

Die Entscheidung ist gefallen: Es ist mir egal, wer es liest.

Mein Blog soll ehrlich sein, authentisch, vielleicht auch ein bisschen schonungslos. Sonst erfuellt es ja nicht den eigentlichen Zweck, weder entlastet es meine Gedanken, noch hilft es (und das ist meine Hoffnung), psychische Probleme zu entstigmatisieren. Und deshalb moechte ich jetzt mal etwas in die Tiefe gehen, und ein wenig berichten, wie es in mir aussieht (Sorry Mama, das Thema gefaellt Dir jetzt vielleicht nicht so gut)

Hat zwar jetzt nicht direct mit meinen frueheren psychischen Problemen zu tun, aber….

Ich bin einsam.
Seit ueber 2 Jahren bin ich single. Klar, zwischendurch gab es mal hier ein Techtelmechtel und da eine Flirterei, manchmal hab ich mir auch mehr erhofft. Aber daraus wurde nie was. Ich werd jetzt bald 30 und um mich herum heiratet einer nach dem anderen, meine Cousine und eine einzige Freundin (beide alleinerziehend) sind die einzigen Singles, mit denen ich zu tun habe. Ich goenne meinen Freunden ihr Glueck, keine Frage. Mir geht es auch nicht darum jetzt mit aller Gewalt schnell eine Beziehung herzuzaubern, einfach nur damit ich eine habe. Ich kann schon auch alleine sein. Aber einfach ist es manchmal nicht.
Ich bin keine, die ihr Leben minutioes im Voraus plant, aber ich habe immer ganz selbstverstaendlich angenommen, dass ich mit mitte / ende 20 auch mal heirate. Tja, das war’s dann wohl. Gut, dass ich sowieso keine Kinder will, denn auch der Zug waere dann bald abgefahren – schliesslich will man ja in der Regel auch eine Weile zusammen sein, bevor man den naechsten Schritt geht.
Hier in Irland kommt dann noch zusaetzlich hinzu, dass ich nicht wahnsinnig viele Freunde habe. Habe ich in Deutschland auch nicht, aber hier noch weniger. Ist auch schwierig, wenn man keine Hobbies hat, die in Gesellschaft stattfinden. Ausserdem merke ich immer mehr, je aelter ich werde, desto mehr weiss ich, was ich will, und welche Leute mir gut tun. Ich bin weniger kompromissbereit, lieber bin ich alleine, als meine Zeit mit Menschen zu verbringen, hinter denen ich nicht zu 100% stehe. Es ist halt auch schwer, Freundschaften von 20 Jahren, wie ich sie in Deutschland habe, zu ersetzen oder damit gleich zu ziehen. Und klar, mit Whatsapp und Facebook vermisse ich meine deutschen Freunde hier nicht zu sehr, aber im endeffekt heisst es eben doch wieder:

Ich bin einsam.

Kuerzlich war ich so frustriert, dass ich mir doch mal wieder Tinder (die Dating App) herunter geladen habe. Ich finde online dating total bloede, man kann doch nicht anhand eines Fotos entscheiden, ob man jemanden kennen lernen will! Aber ich kenne mehrere Paare, die gluecklich sind, teilweise sogar verheiratet, und sich auf diesem Weg kennen gelernt haben. Ich dachte, vielleicht kann ich ja wenigstens mit jemandem ein wenig hin und her schreiben…auch wenn die meisten dort sowieso nicht texten.
Tatsaechlich habe ich zum aller ersten mal einen Kerl gefunden, der auf den ersten Blick nett wirkte, und nach ein paar Tagen hin und her wollten wir uns treffen (das ist normalerweise bei mir immer der Punkt, an dem ich abblocke). Nach dem Verabreden ging die Unterhaltung weiter und es kam zur Sprache, dass ich ja noch gar nicht lange in Irland lebe. Ich habe erwähnt, dass ich mich wahnsinnig wohl fühle und in einigen Jahren die irische Staatsbürgerschaft beantragen möchte, dass es manchmal aber auch schwierig ist, sich an die andere Mentalität zu gewöhnen, neue Freunde zu finden und sich überhaupt zurecht zu finden. Daraufhin erklärte er mir, dass er es nicht mag, wenn jemand über die Iren oder Irland schimpft und schwups hatte er mich blockiert. Also, komplett blockiert dass ich ihn nicht mehr anschreiben kann. Gut, hatte ich nach der Aktion sowieso nicht vor, aber seltsam fand ich das schon. Man darf also nicht mal mehr ehrlich von den eigenen Erfahrungen berichten?! Um den Kerl ging’s mir nicht, der war mir völlig egal. Aber ich fühlte mich noch einsamer. Als dürfte ich nicht mehr ich selbst sein.

Beim tätowieren wiederum ist genau das Gegenteil passiert. Ich war das erste mal in dem Studio, kannte den Künstler nur über seine Website. Eigentlich hatte ja er mich zuerst gefunden, und nachdem er so ein Fan meiner Fotos ist, wollte ich mal wissen, wer das ist. Ich fand heraus, dass er tätowiert, schaute mir sein Portfolio an und war begeistert. Schon beim Termin ausmachen war er mir sympathisch und er konnte sich sofort total für meine Motivwahl begeistern. Kaum saß ich dann auf dem Stuhl, fingen wir an zu reden, 5 Stunden lang, non stop. Über alles und nichts, über Gott und die Welt. Wir haben gelacht und ernstes Besprochen. Es hat sich völlig normal angefühlt, als würden wir uns schon ewig kennen, als wäre es selbstverständlich, auch persönlichere Sachen zu erzählen. Wir haben nach dem Termin und seit dem jeden Tag geschrieben, und egal um welches Thema es geht, wir sind uns ähnlich, aber doch verschieden genug, dass es interessant bleibt. Eigentlich etwas ganz besonderes, denn wie oft findet man denn jemanden, mit dem es so auf Anhieb „klickt“? Aber er hat eine Freundin, und auch wenn er nicht mit mir flirtet, steht genau das die ganze Zeit im Raum. Er hat schon ein schlechtes Gewissen ihr gegenüber dass er überhaupt mit mir spricht, eine wirkliche Freundschaft die über das virtuelle und die ein oder andere Tattoo session hinaus geht ist somit ausgeschlossen. Und alles andere sowieso.

Und wieder sitze ich da und fühle mich einsam. Vielleicht sogar noch ein wenig einsamer als zuvor – hat man mir jetzt doch vor die Nase gehalten, wie gut und harmonisch es mit der richtigen Person (und damit meine ich nichtmal unbedingt eine Beziehung, sondern auch Freundschaftlich) es sein kann, und dann hat man es mir wieder entzogen.

Ich weiß, wenn es sein soll wird es passieren, suchen bringt nichts, es findet einen von selbst, und wenn ich immer emotional unerreichbare Menschen finde dann liegt es wohl daran, dass ich unterbewusst nicht bereit bin für eine neue Bindung – ob nun freundschaftlich oder mehr.

Ich bin trotzdem einsam.

5 Gedanken zu “Zurueck zum Ursprung.

  1. samybee schreibt:

    Drück Dich 🤗!
    Ich finde es wahnsinnig schwierig, mit allen Bekanntschaften und Freundschaften auf einmal von Null anzufangen. Alles ist so in Bewegung, Entäuschungen, es ist wirklich schwierig, verläßliche Beziehungen zu finden. Außerdem merkt man nach einer Weile, wie manche der alten Freundschaften sich über die Entfernung auflösen. Das zieht mich im Moment ziemlich runter …
    Aber bei meinen bisherigen Umzügen habr ich gemerkt, dass es meistens besser wird, wenn es gerade ganz schlimm war. Also Talsohle durchschreiten und so…
    Und den Ehemann habe ich gefunden, als ich gerade gedacht hatte, dass nie wieder ein Mann den Schlüssel meiner Wohnung bekommt. Drei Monate später hatte er einen. Solange wie ich suchte, war‘s nix.
    Vielleicht konzentrierst Du Dich auf etwas anderes erst mal? Einen neuen Job oder ein Hobby in Gesellschaft? Ich grübele gerade, ob ich Freiwilligenarbeit machen soll, damit ich aus dieser Expat -Blase mal raus komme…

    Gefällt 2 Personen

    • Lea schreibt:

      Suchen in dem Sinne tu ich eigentlich gar nicht. Wie gesagt – lieber bin ich alleine als in einer Beziehung die ich nicht wirklich will. Aber wie du schon sagst auch bei mir zerschlagen sich Freundschaften- alte wegen der Entfernung und neue weil man merkt dass es doch nicht so passt… ich fang in 2 Wochen mit Italienisch Unterricht an. Vielleicht lenkt mich das ja ein wenig an.

      Gefällt 1 Person

  2. suzyintheflow schreibt:

    Schön wie du ehrlich zu dir (und zu uns Leser-innen) bist. Du bist mit deinen Gedanken und Mühen ja nicht alleine sondern in millionenfacher Gesellschaft. Ich denke, das Allerwichtigste ist sich selbst gern zu haben, sich so zu akzeptieren wie man eben ist und sich trotzdem nicht allzu ernst zu nehmen. Irgendwie simpel und doch nicht einfach, wie? Es geht uns doch allen gleich! Geh einfach raus, sei du selbst und hör auf, dich (und andere) zu beobachten, zu analysieren und zu bewerten! Geh arbeiten, pflege deine Hobbies, fotografiere, wandere, reise, mach was du gerne tust, trag dir Sorge und tue dir Gutes, dein Prinz wird dich dann schon finden, irgendwann, irgendwo, irgendwie. Mit herzlicher Umarmung!

    Gefällt 1 Person

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