In Erinnerung an…

14.06.2012, morgens frueh in Stuttgart
Geburtstag meiner besten Freundin.
Ich sitze im Behandlungszimmer und warte auf den Arzt, der meinen kaputten Fuss anschauen soll. Mein Handy klingelt; es ist meine beste Freundin.
Vor zwei Tagen wurde ihre Mutter operiert. Ein Routineeingriff. Etwas ging schief, sie hatte einen Herzinfarkt. Sie liegt im Koma.
Mein Handy klingelt, und mich beschleicht ein ungutes Gefuehl. Ich gehe schnell dran, bevor der Arzt kommt, und ich hoere die Worte, die keiner jemals hoeren moechte:
Mama ist tot.

Sie war nicht meine Mutter, aber sie war mir mindestens so nah wie meine Mutter es mir ist. Nicht nur ein mal ist sie mitten in der Nacht quer durch die Stadt gefahren, um mich abzuholen, weil ich zu Hause aerger hatte. Im Gegenzug hat meine beste Freundin bei uns gewohnt, waehrend sie bei sich zu Hause Probleme hatte. Sie war es, die mich das erste mal mit zu McDonalds gebracht hat. Mit ihr (und ihrer Familie) war ich im Urlaub. Sie war immer da, wenn ich Sorgen hatte, und konnte lachen wie eine Wetterhexe.

Die Trauerfeier war fuer mich die Hoelle. Es war das erste mal, dass ich in so engem Umfeld einen Tod erlebte. Meine Mutter kam extra mit dem Zug aus dem Urlaub zurueck, um mich zu begleiten. Eine Frau, die ich nicht kannte, brach schreiend zusammen. Hinterher gab es ein gemeinsames Essen, bei dem gelacht wurde – sie haette es so gewollt. Wir trugen auch alle Farbe.

 

14.06.2018 morgens frueh in Dublin
Geburtstag meiner besten Freundin.
Ich wache auf, und noch bevor ich das Bett verlasse, rufe ich ihr an. Ich moechte unter den ersten Gratulanten sein. Nach 6 Jahren schaffen wir es beide ohne zu weinen. Die ersten Jahre waren hart, sehr hart. Meine Freundin wollte ihren Geburtstag am liebsten vergessen, und ich wusste nicht, was ich ihr wuenschen sollte. Oft mussten wir beide weinen. Meine Freundin besucht regelmaessig das Grab, und es wurde eine Tradition, dass sich die Familie an dem Tag dort traf, mit Kuchen, und hinterher gemeinsam essen ging. Ich war eingeladen, aber ich konnte da nicht hin. Erst 2016, als ich wusste, dass ich weg ziehe, konnte ich mich ueberwinden, ans Grab zu gehen.
Heute konnte ich mit meiner Freundin am Telefon scherzen. Ich wuenschte ihr alles Gute, viel Gesundheit und weniger Flugangst, damit sie mich bald mal besuchen kann. Wir lachten gemeinsam darueber. Ich bat sie, mir ein Foto vom Grab zu schicken, und die Mama von mir zu gruessen. Wir legten froehlich auf, und dann musste ich doch ein wenig weinen. Auch nach sechs Jahren noch. Und dann schaute ich raus, und sah den Wind bzw fast schon Sturm, und sagte in Richtung Himmel: Du alte Wetterhex, hoer auf mit dem Wind, dann hoer ich auf zu heulen! Dann musste ich ueber mich selber lachen, und ich hoerte ihr lachen, und ich zog mich an und ging zur Arbeit.

Unable are the loved to die, for love is immortality. (Emily Dickinson)

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