Samstagblues

Samstag. Wochenende.

Seit Monaten habe ich die letzte Woche das erste mal „nur“ 8 – 17 Uhr gearbeitet. Ich hatte endlich mal wieder etwas Zeit zum durchatmen, Zeit für mich.
Zeit, mich mit einer Freundin zu verabreden.

Ich bin jetzt wohl in diesem Alter, in dem man nicht mehr bis mittag schläft, die Teenagerzeit ist vorbei. Ich wollte heute ausschlafen, aber war schon vor 7 Uhr wach. Also habe ich ein bisschen gelesen. Um 9 Uhr war ich im Shopping Center und hab mir ein gemütliches Frühstück gegönnt, dabei habe ich weiter gelesen. Nach dem Lebensmitteleinkauf habe ich meine Wohnung geputzt. Dann bin ich nochmal einkaufen gegangen – ein paar Pullis für die Arbeit, neue Schuhe. Ich habe mein Bett frisch bezogen, mit einem gemütlichen, weichen Jersey Überzug, und habe Wäsche gewaschen.

Was man als Erwachsener Mensch an einem Samstag eben so tut.

Dann war ich aber fertig mit all dem Putzen und Einkaufen, und wusste nicht so recht was ich mit mir anfangen soll. Gut, langweilig wird mir nicht – ich habe immer ein Buch zu lesen, einen Film zu schauen oder ein paar Fotos zu bearbeiten. Aber manchmal ist mir das nicht genug.

Immer häufiger finde ich mich selbst in einem Zwischenraum zwischen Einsamkeit und dem Wunsch nach Gesellschaft, und dem Gefühl, mich einfach alleine in meinem Bett vergraben zu wollen.

Ich weiss nicht, ob es daran liegt, dass ich mich früher oft von Menschen herumschubsen lassen habe, oder ob ich früher einfach weniger wählerisch war und vielleicht auch flexibler, aber ich habe in letzter Zeit den Kontakt zu einigen langjährigen Freunden abgebrochen. Und diese Leute fehlen mir auch eigentlich nicht. Im Gegenteil, ich denke eher mit Wiederwillen an sie, war es doch immer eine schwierige Freundschaft, mit allen.
Ohne diese alten Freundschaften bleibt mir aber nicht mehr viel. Hier in Irland habe ich noch keine so wichtigen Freundschaften geschlossen. Ich habe Bekannte, und auch Freunde, aber niemanden, der mir so wichtig ist, so nahe steht.

Die meisten, mit denen ich zu tun habe, sind verheiratet oder zumindest in langjährigen Beziehungen. Ich wünsche mir das auch. Hätte man mich mit 13, 14 Jahren gefragt, hätte ich gesagt, dass ich mit mitte, ende 20 heiraten werde. In wenigen Wochen werde ich 30, und meine letzte Beziehung ist fast 3 Jahre her. Ich vermisse es, neben jemandem aufzuwachen, mit jemandem gemeinsam einen Film zu schauen. Ich vermisse es, nach Hause zu kommen, wo jemand auf mich wartet. Jemand mit zwei Beinen, nicht mit vier.

Gleichzeitig verkrieche ich mich aber immer mehr zuhause. Jedesmal, wenn ich den Versuch wage, etwas mit jemandem zu Unternehmen, bin ich hinterher nur genervt und frage mich, warum ich mir das überhaupt an tu. Am liebsten gehe ich alleine aus dem Haus. Niemand der mich zurück hält, niemand der mich nervt. Niemand der andere Dinge will als ich. Keine Enttäuschungen.
Aber eben auch niemand, mit dem ich lachen kann. Niemand, mit dem ich ein Erlebnis teilen kann. Eigentlich irgendwie traurig. Aber eben doch das, was ich mich aussuche.

Manchmal vergeht ein ganzes Wochenende, an dem ich kein Wort spreche. Okay, das stimmt nicht ganz. An der Kasse sag ich schön brav „danke“ und „schönes Wochenende“, und wenn mir meine Katze beim putzen zum xten mal zwischen die Beine rennt, fang ich auch an mit ihr zu sprechen. Aber echten menschlichen Kontakt habe ich eigentlich nur noch bei der Arbeit (gezwungenermaßen) und über mein Handy – SMS, oder allenfalls mal noch Sprachnachrichten.

Ich habe noch nicht aufgegeben, nächste Woche treffe ich mich mit einer, die ich über eine Facebook Gruppe kennen gelernt habe. Die gemeinsamen Interessen sind vorhanden, mal sehen, ob sich eine Freundschaft daraus entwickeln wird.
Aber so einsam ich mich auch fühle, ich fühle auch einen Widerstand in mir, der sich sträubt, mich mit anderen Menschen zu treffen.

Ich weiss irgendwie auch nicht, was ich will?!

6 Gedanken zu “Samstagblues

  1. suzyintheflow schreibt:

    Wir alle haben wohl solche Hänger, liebe Lea! Einmal finde ich es gut, dass du dich von Freunden trennen kannst, die dir nicht wirklich gut tun. Das ist nicht einfach, macht aber frei für neue Beziehungen. Vielleicht bist du einfach in einer Zwischenphase, wo du nicht recht bereit bist, dich neu einzulassen auf andere Menschen? Ich könnte mir gut vorstellen, dass du unbewusst befürchtest, dich wiederum herumschubsen zu lassen? Das mit den Lebensplänen ist halt auch so eine Sache: meist kommt es eben anders als gedacht oder geplant. Ich sage nicht, dass es besser ist, einfach in den Tag hinein zu leben, aber ich finde es besser statt in der Zukunft, vor allem im Moment zu leben. Wie in deinen Fotografien! Lebe den Moment und geniesse ihn, mach das Beste draus. Und, liebe Lea, wenn du das Gefühl hast wirklich Probleme zu habe, bitte, hol dir Hilfe.

    Gefällt 1 Person

    • Lea schreibt:

      Danke für die lieben Worte. Ich steh noch mit meiner ehemaligen Therapeutin in Kontakt, aber so schlimm ist es nicht. Ich fühl mich nicht depressiv – eher nachdenklich und vielleicht ein wenig melancholisch. Und ja, Du könntest schon recht haben – vielleicht muss ich gerade einfach mal eher für mich sein, ich lerne dabei ja auch etwas! Ich glaube es hilft mir schon, dass die Arbeit etwas weniger wird und ich wieder Luft holen kann.

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  2. Marion schreibt:

    diese Gedanken und Phasen kenne ich selbst sehr gut. Es ist gar nicht so einfach, sich die Zeit zu nehmen und tief in sich selbst hinabzutauchen während man sich gleichzeitig verpflichtet fühlt den gesellschaftlichen Konditionen zu folgen und gesellig zu sein. Introvertierte Phasen wechseln sich mit extrovertierten ab und jede kann unterschiedlich lang dauern. Frag mich – ich bin Profi im Pendeln 😉

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