Die lieben Nachbarn

Nachbarn sind ja auch so eine Sache, nicht. In meiner ersten eigenen Wohnung wohnte der Vermieter auf dem gleichen Stockwerk. Er kam gerne mal rein, wenn ich nicht zuhause war. Die Ausreden waren immer Dinge wie „da war ein Fenster offen, nicht dass die Leitungen einfrieren“ (natürlich war das Fenster nicht offen, was sich im Nachhinein aber nicht beweisen lies). Später gab es eine neugierige Nachbarin, die immer „das Licht im Flur für mich angemacht hat“, während ich ein Paket, das zu schwer war für mich, am Eingang aufgemacht habe. Sie hat auch gerne meine Mülltonne durchwühlt um zu schauen, ob ich auch richtig trenne. In meiner letzten deutschen Wohnung wohnte die Mutter des Vermieters unter mir. Sie stellte mir anfangs gerne ihre (schon leicht angeschimmelten) Essensreste auf die Treppe, damit ich nicht mehr kochen muss nach der Arbeit, und wenn sie mich ohne Jacke oder im Kleid aus dem Haus gehen sehen hat, hat sie mich gescholten – nicht dass ich noch krank werde!

Nun also Irland. Auch hier gibt es Nachbarn.

Da wäre zum einen der Herr nebenan, der in einem Tierladen arbeitet und glaubt, er hätte die Weisheit mit Löffeln gefressen. Jedesmal wenn ich ihn sehe erzählt er mir, was ich mit meinen Katzen alles falsch mache. Er selbst hat keine Katzen, nur Hunde. Einen Mini Terrier der fast nie das Haus verlässt (dem kleinen Hund reicht es, durchs Haus zu rennen und ins Katzenklo zu machen) und einen Rottweiler, der ebenfalls kaum das Haus verlässt (große Hunde haben höchstens Energie für 30 min laufen am Tag, und seine Häufchen kann er auch im Garten machen, wo sie dann ca einmal pro Monat aufgesammelt werden).

Dann wäre da die Dame über mir, die sehr Nachtaktiv ist. Eigentlich wohnt sie da alleine, aber wenn sie da ist (nur alle paar Wochen mal), dann immer mindestens zu zweit. Plus Hund. Dem Hund wird dann in der Wohnung der Ball geworfen, es wird bis früh am Morgen Musik gehört, geredet, und gerne auch zwischen 23 Uhr und 2 Uhr morgens Wäsche gewaschen. Was mir ja egal wäre, wenn nicht das Haus so hellhörig wäre, dass ich sogar höre, wenn sie eine Schublade öffnet.

Und meine Vermieterin natürlich. Die ist eigentlich ganz harmlos, aber neugierig ohne Ende. Allerdings im Gegenzug auch sehr freizügig mit Informationen über ihr eigenes Leben. Somit weiß ich die genauen Beträge ihrer Rechnungen, und auch wann sie wegen was mit wem Streit hat. Kürzlich hat sie ihren Freund vor die Tür gesetzt. Natürlich hat auch das wieder jeder hier erfahren – per Gruppennachricht auf Facebook. Sie „Daten“ noch, aber er hat jetzt eine eigene Wohnung. Offenbar ist ihr aufgefallen, dass er sie ganz schön ausnutzt – weder finanziell noch sonst wie hat er sich zuhause eingebracht. Nun denkt sie natürlich, dass alle Männer so sind. Daher hat sie mir direkt mal angeboten, falls ich nicht wüsste, wie ich meinem werten Herrn beibringen soll, dass er sich an der Miete beteiligen muss, würde sie mir gerne eine Nachricht schicken dass sie von ihm Miete möchte. Die könnte ich ihm dann zeigen. Dass er hier gar nicht wohnt sondern nur oft zu Besuch ist macht dabei nichts – sie meint, er könnte ja schließlich der Einfachheit halber einfach einziehen. Ich hatte absolut keine Lust mich zu rechtfertigen, habe ihr aber dem lieben Frieden wegen versichert, dass er sich schon an den Lebensmitteln beteiligt und ich dafür sorge, dass die Kosten gerecht verteilt sind. Damit war sie zufrieden – zum Glück. Geärgert hat es mich trotzdem, denn was geht es sie an, wer bei uns was zahlt? Das ist ja wohl meine Privatsache!

Die Nachbarin von oben hat übrigens aktuell wieder großen Spaß. Letzte Nacht konnte ich dank dem Lärm schon kaum schlafen, und sollte das heute nicht spätestens um 22 Uhr enden, werden wir (mal wieder) ein Problemchen miteinander haben.

2 Gedanken zu “Die lieben Nachbarn

  1. samybee schreibt:

    Ach ja, die lieben Nachbarn… ich hatte mal ein älteres Paar gegenüber wohnen, die so sehr auf die Putzwoche achteten. Nachdem ich die Putzwoche gemacht hatte, klingelte es und man hielt mir ein braunes Blatt unter die Nase, dass ich vor der Haustür vergessen hätte zu entfernen. Übrigens… es war Herbst und es fielen die ganze Zeit die Blätter von den Bäumen 😝.
    Bei deinen Vermietern verstehe ich überhaupt nicht, dass sie die Privatsphäre nicht respektieren! Ätzend!

    Gefällt 1 Person

    • Lea schreibt:

      Haha, wie konntest du auch ein Blatt vergessen! Meine Vermieterin ist einfach Mega neugierig und erzählt ja auch selber jedes Detail aus ihrem Leben. Zudem sieht sie mich glaube ich als eine Art Schutzbefohlene weil ich ja hier keine Familie habe. Ich glaube die meint es nur gut, aber nervig ist es trotzdem.

      Gefällt 1 Person

Schreibe eine Antwort zu samybee Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s