Rückschlag

Ich bin wieder Single.

Ein harter Schlag, der mich aus dem nichts getroffen hat. Ich habe null damit gerechnet, gar nicht. Alles lief gut.

Das hat mich über die Kante den Abgrund runter gestürzt, an dem ich sowieso schon stand.

Schon länger hatte ich wieder Panik Attacken und Angstzustände, viele schlechte Tage und oft den Gedanken, warum lebe ich überhaupt. Nie denke ich daran mich umzubringen, aber oft wünsche ich mir, nie geboren zu sein, oder aber einfach zu schlafen und nicht aufzuwachen. Ich will nicht sterben, nicht tot sein, ich will einfach nur nicht aufwachen.

Schlafen klappt aber momentan nicht so gut. Wilde Träume, mehrmals pro Nacht aufwachen, ganz normal.

Meine Beziehung hat mich irgendwie zusammen gehalten, mein Freund war mein safe place, mein sicherer Hafen.

Die Folge der Trennung war ein ziemlicher Zusammenbruch. Selbstverletzung, nichts geht mehr. Zu Hause kann ich nichts anrühren, weil es sich anfühlt, als würde ich dann meinen Freund los lassen, und dazu bin ich noch nicht bereit.

Ich bin krank geschrieben, erstmal dreieinhalb Wochen. Ich nehme Antidepressiva, bei Bedarf auch Beruhigungsmittel um die Anspannung zu lösen. Der Hausarzt konnte mir innerhalb weniger Tage einen Termin bei einer Therapeutin vermitteln.

Im Vergleich zu vor ein paar Jahren, als ich in der Tagesklinik landete, habe ich dazu gelernt. Ich schaffe es, mich jeden Tag anzuziehen, aus dem Bett zu steigen. Ich verlasse das Haus mindestens ein mal pro Tag um mindestens in den nächsten Laden zu gehen. Ich gehe zu Nachbarn und zwinge mich zum essen, oder lass mich einfach ablenken. Den Rest des Tages verbringe ich im Garten, eingewickelt in Decken und Jacken, trotz Kälte – ich kann da besser durch atmen. Nachbars kitten kommt oft und legt sich auf meinen Schoß, was mir hilft.

Ich rauche zu viel, das weiss ich, aber es hilft mir, tief einzuatmen – ich atme sonst sehr flach, was in Panik Situationen zu hyperventilieren führt. Ich versuche mir Zeitlimits zu setzen, wie viele Zigaretten in welchem Zeitraum. Meistens klappt es.

Trotz Müdigkeit und Mittagsschlaf sind die Tage lang. Ich schaue Dokumentationen, manchmal nur, um eine Geräuschkulisse zu haben, manchmal um mich abzulenken. Es funktioniert.

Ich zähle die Tage, bis ich die Therapeutin wieder sehen kann. Ich hoffe, sie und die Tabletten können mir schnell helfen.

Und ich hoffe, dass irgendwann, wenn ich stabil bin, und mein (ex-)Freund auch, wir wieder zusammen kommen.

15 Gedanken zu “Rückschlag

  1. samybee schreibt:

    Ich habe gerade heute morgen an Dich gedacht, dass ich schon lange nichts mehr von Dir gelesen habe. Jetzt weiß ich warum. Gut, dass Du beim Arzt warst. Gut, dass Du die Medis nimmst. Gut, dass Du auf einen Tagesrhythmus achtest. Es liest sich so, dass Du erkannt hast, was mit Dir los ist und hast die richtigen Maßnahmen ergriffen. Das ist schon ein großer Fortschritt im Vergleich zu früher, oder nicht? Ich drücke Dich aus der Ferne!

    Gefällt 2 Personen

    • Lea schreibt:

      Schön zu lesen, dass auch in der Ferne an mich gedacht wird, das tut gut! Alles kostet wahnsinnig viel Kraft, deshalb habe ich bisher nichts geschrieben. Ja, im Vergleich zu früher ist es definitiv ein Fortschritt- nur hatte ich gehofft dass ich diese Zeiten hinter mir gelassen habe… das ist ein wenig enttäuschend.

      Gefällt 1 Person

    • Lea schreibt:

      Ja, definitiv. Der Grund für die Trennung hatte nichts mit mir oder der Beziehung an sich zu tun, sondern mit seinen eigenen (psychischen) Problemen. Ist eine längere Geschichte – mach ich vielleicht mal einen separaten Beitrag drüber.

      Gefällt 1 Person

  2. suzyintheflow schreibt:

    Liebe Lea, ich wünsche dir, dass du dich bald auffangen kannst und wieder Freude am Leben bekommst. In Anbetracht der Situation machst du das doch gar nicht so schlecht. Du lässt dir helfen und hältst Regeln ein die du dir selber gibst! Mit den besten Wünschen, liebe Grüsse, Suzy

    Gefällt 1 Person

  3. Ira schreibt:

    Das tut mir sehr leid zu lesen.
    Es ist immer schwer, jemanden zu verlieren, wenn auch nur auf Zeit, von dem man nicht gedacht hätte, dass er irgendwann geht…
    Die kommende Zeit wird nicht einfach, aber sie geht irgendwann vorbei, auch wenn es nicht so scheint. Aber es wird.
    Ich wünsche dir dafür sehr viel Kraft, Geduld und dass du irgendwann dein Gleichgewicht wieder findest.
    Liebe Grüße Ira

    Gefällt 1 Person

  4. rosabluete schreibt:

    Hey Du. Hab auch an Dich gedacht. Du bist nicht alleine. Durch den Tod meines Papas und die Krankheit meiner Mama und andere Sorgen und Probleme, ist mein ganzes Jahr auch ein auf und ab. Mal würde ich mich auch am liebsten den ganzen tag verkriechen. Mal bin ich froh auf der Arbeit oder unterwegs zu sein. Und dann habe ich auf einmal aus dem Nichts wieder Angst und möchte einfach nur nach Hause. Ich schaffe es auch nicht vom Johanniskraut loszukommen, denn dann geht es mir direkt schlechter. Konflikten gehe ich aus dem Weg, denn wenn iwas ist, gerate ich wieder völlig aus der Bahn.
    Fühl Dich umarmt und es gibt wieder bessere Zeiten. Wir schaffen das !
    Und versuch die ZIgaretten zu streichen. Das tiefe Einatmen mit Zigarettengift ist auch nicht förderlich- sorry, ich weiß total das nervige Kommentar- aber ich sehe leider am eigenen Leib wie es meine Mama zerstört hat und wünsche dies niemandem.

    Gefällt 1 Person

Schreibe eine Antwort zu Liegeradler Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s