Abschiede muss man zelebrieren. 

Diesen Satz schrieb mir eine liebe Freundin. Eine Freundin, die ich in meiner Zeit im Krankenhaus gewonnen hatte. Eine Freundin, die aus eigener Erfahrung weiß, wie das mit Abschieden so ist, und mit Umzügen, und Depressionen. 

Mein Wohnzimmer habe ich heute komplett fertig bekommen. An den Regalen kleben Notizzettel, auf denen steht, wo die Dinge hin müssen: hier ein Regalfach für meine Schwester, ein Fach für Dinge, die mit nach Irland müssen, eins mit DVDs für Momox etc. In einer Ecke sauber gestapelt Kisten für meine Schwester, die Kisten mit meiner sortierten Sommerkleidung, Sperrmüll und aussortiertes in einer anderen Ecke. 

Es ist weniger als ich vor hatte, aber doch ein ganzes Stück. Und es war hart. Anfangs konnte ich mich überhaupt nicht motivieren. Es dauerte bestimmt zwei Stunden, bis ich überhaupt anfing, und dann auch eher unkoordiniert und langsam. 

Kurz nachdem ich endlich los gelegt hatte, fing direkt vor meiner Wohnung ein Kind an, Weihnachtslieder auf der Querflöte zu spielen. Zumindest nehme ich an dass es Weihnachtslieder waren – auf Grund der vielen Fehler war das teilweise nicht ganz zu erkennen. Ich habe nichts gegen den Weihnachtsmarkt, der jedes Jahr in meiner Straße für einen Tag aufgebaut wird. Aber heute hatte ich einfach keine Nerven dafür! 

Als ich dann an das Regal kam, in dem die Urne meiner verstorbenen Katze stand, war alles zu spät. Ich fing an zu weinen und konnte mich gar nicht mehr beruhigen. Meine Katze merkte das natürlich und kam mich trösten. Sie kletterte auf meinen Schoß und rieb ihren Kopf an mir, und machte mich damit nur noch trauriger. Zu schlimm war der Gedanke daran, die Katzen erstmal hier lassen zu müssen, zu groß war die Leere, die meine verstorbene Katze hinterlassen hatte, und das ganze noch betont von den vielen leeren Regalen um mich. 

Mir war alles zu viel, das Ausmisten, der Zeitdruck, ich wollte mich am liebsten vergraben. Und da schrieb mir meine Freundin: 

Abschiede muss man zelebrieren.

Auch in meiner Therapie geht es immer wieder um das Abschied nehmen. Es ist wichtig, dass ich diesen Prozess ganz bewusst durchlebe, auch wenn es manchmal schwer ist. Also versuchte ich, den Schmerz zuzulassen, aber mich nicht zu sehr vereinnahmen zu lassen. 

Trotz der Traurigkeit machte ich weiter. Immer wieder musste ich stoppen und die Tränen trocknen, zwei mal noch kam meine Katze zum schmusen. Aber ich schaffte es, mich immer wieder aufzuraffen und weiter zu machen. 

Ich bin jetzt verabredet, mit einem befreundeten Pärchen. Ich weiß, dass die beiden meinen Blog lesen, und ich hoffe, dass sie es – wenigstens im Nachhinein – verstehen werden, dass ich heute keine besonders gute Gesellschaft bin. 

Mir geht es nicht gut, ich fühl mich ausgelaugt und leer. Ich bin aber froh um dieses Treffen, es zwingt mich, wenigstens ein kleines Stück aus meinem Loch wieder raus zu krabbeln. 

2 Gedanken zu “Abschiede muss man zelebrieren. 

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