1518 Kilometer

Genau 1518 km liegen zwischen meinem alten und meinem neuen Zuhause.

Etwa die gleiche Distanz liegt zwischen meiner mentalen Verfassung von damals und heute.

Ich erinnere mich, vor etwa 2,5 Jahren, kurz bevor ich umgezogen bin, musste mein Vermieter in meine Wohnung, zusammen mit einem Gutachter, der für den Abriss des Nachbarhauses zuständig war. Als ich die Info bekam, flippte ich aus. Ich fing sofort an zu zittern, zu weinen, ich war gleichzeitig wie erstarrt, mein Herz raste, ich war total panisch. Total!

Ich rief eine Freundin an, die mir stundenlang am Telefon gut zuredete. Dass es normal ist, dass die Wohnung kurz vor einem Umzug ein wenig chaotisch ist. Dass es gar kein Problem ist, den Vermieter kurz rein zu lassen. Sie redete mir zu, bis ich mich aus meiner Erstarrung lösen konnte und anfing aufzuräumen. Sie kam am nächsten Tag, während ich arbeiten war, und räumte weiter – auf, und auch ein, nämlich Kisten für den Umzug. Sie räumte so lange, bis der Vermieter kam. Sie lies ihn rein, führte ihn herum, schloss hinter ihm die Tür ab, und das war’s. Nichts passiert.

Trotzdem war ich von dieser wahnsinnigen Panik so geschafft und erledigt, dass ich noch Tagelang immer wieder geheult habe, Bauchweh bekam, und mich nur im dunklen in meine Wohnung geschlichen habe, aus Angst, der Vermieter könnte mich sehen und nochmal rein wollen.

Zeitsprung.

Heute stand ich nackt neben meinem Bett, legte meine Brille weg und machte mich bereit, in die Dusche zu steigen. Plötzlich hörte ich seltsame Geräusche und merkte, dass sich meine Katzen alle drei in der Küche versammelt hatten. Innerhalb von wenigen Sekunden bemerkte ich, dass von meiner Decke Wasser tropft. Viel Wasser. Direkt an der Stelle, wo die Nachbarin über mir ihre Dusche hat.

Ich zog schnell etwas über. Rannte nach oben. Bat die Nachbarin ihr Wasser ab zu stellen. Dann lief ich wieder nach unten, sah meine Vermieterin in den Hof fahren. Ich lief zu ihr, erzählte ihr von der Sache. Sie bat mich rein, rief den Klempner ihres Vertrauens an und schilderte ihm das Problem. Er versprach, morgen Nachmittag zu kommen und zu schauen was los ist.

Klar, das Hauptproblem ist die Wohnung über mir, nicht meine. Trotzdem sagte ich der Vermieterin, dass ich ihr morgen früh meinen Zweitschlüssel hinterlegen werde. Sie scherzte noch, dass sie mir dann ein Foto vom Handwerker schickt, der sei nämlich nett und könnte ja was für mich sein.

Ich lief nach Hause. Räumte schnell Wäsche auf die Seite, die noch zum Trocknen hier hing – niemand muss sich meine Unterwäsche anschauen – und spülte den Teller und das Besteck von gestern Abend.

Dann duschte ich, föhnte die Haare….und jetzt liege ich im Bett. Völlig entspannt. Ohne Panik, ohne Hilfe einer Freundin, ohne irgendwelche Probleme, und wundere mich über mich selber, wie das passiert ist. Krass.

2 Gedanken zu “1518 Kilometer

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s