Warum Irland? 

Das werde ich oft gefragt. Warum ausgerechnet Irland? 

Jeder der mich kennt, weiß, dass ich verrückt bin auf alles, was irisch ist oder mit Irland zu tun hat. Und das war eigentlich auch schon immer so. 

In der zweiten Klasse wurden wir von der Lehrerin gefragt, wie wir uns unser späteres Leben vorstellen. Es kamen die üblichen antworten, ich möchte Polizist sein, Feuerwehrmann, Familie haben etc.  Und dann kam ich: ich sagte, ich möchte in Irland leben, in einem Hausboot. Das Hausboot muss nun nicht mehr zwingend sein, doch der Traum, in Irland zu leben, ist geblieben, über mehr als 20 Jahre hinweg. 

Warum? 

Nun, zum einen sind da natürlich die offensichtlichen Gründe. Das Land ist traumhaft schön, landschaftlich einfach atemberaubend. Die Musik lässt mich nicht still sitzen, ob nun die fröhlichen Klänge der Tunes oder die ruhigen Balladen, das geht ans Herz. Die Menschen sind unwahrscheinlich freundlich, warmherzig und einladend. Es gibt nichts gemütlicheres als einen echten Irish Pub. Die Iren haben den besten Tee der Welt. Die Geschichte des Landes ist faszinierend und interessant. Die Elfenmärchen bezaubern jeden. Der traditionelle Tanz ist beeindruckend anzusehen – und es macht Spaß, ihn selbst zu tanzen (das habe ich einige Jahre lang gemacht, bis ich wegen einer Fußverletzung aufhören musste). Ich könnte noch eine Weile so weiter schreiben. 


Viele fragen mich, ob ich überhaupt schon mal dort war. Ja, war ich. Drei mal. Und jedesmal habe ich mich sofort heimisch Gefühl. Ich kam am Flughafen an und hatte ein Gefühl von „jetzt bin ich zuhause“. 

Wie aber kam ich überhaupt auf die Idee, mich für dieses Land zu interessieren? 

Die einfache, kurze Erklärung wäre „durch die Kelly Family“. Ja, genau, die singende Großfamilie mit den Kleidern von der Müllhalde. Meistens, wenn ich das sage, wird kurz gekichert und dann schnell das Thema gewechselt. Ich belasse es daher auch meistens dabei, die wenigsten fragen aus ernsthaftem Interesse. 

Mir selbst ist das auch erst vor kurzem klar geworden, was da eigentlich dahinter Steckt, aber im Nachhinein betrachtet habe ich der Kelly Family einiges zu verdanken. 

Als die Kellys ganz groß rauskamen, 1994 mit  dem Album „Over the hump“, war ich 6 Jahre alt. Meine Eltern waren im Trennungsjahr, die Familie brach auseinander und mein Leben war plötzlich nicht mehr das, was es mal war. Meine ältere Schwester brachte die CD nach Hause und wie für so viele zu der Zeit, wurde der Song „An Angel“ meine Hymne. Auf dem Cover der CD war die Familie zu sehen, sie standen dicht beisammen, bildeten eine Einheit, im Hintergrund die Cliffs of Moher, eine Steilküste im Westen Irlands. (Dieses Bild zeigt die Cliffs of Moher, aufgenommen 2012 von mir) 

Ich fing an, mich für die Kellys und ihre Musik  zu begeistern und meine Schwester beantwortete mir jede Frage, die ich stellte. Damals wusste man nichts über die internen Schwierigkeiten der Kelly Family. Für mich war das einfach eine idyllische Familie mit romantischen Kleidern, die auch noch gemeinsam musizierte. Eine Idylle, die ich von zuhause nicht kannte – vorallem nicht mehr zu dieser Zeit. Die Kellys wurden zu einem Ideal für mich – und sicherlich für viele andere auch. 

Meine Begeisterung hielt sich ca. 8 Jahre, bis in meine Jugendzeit. Irland habe ich, dank des atemberaubenden Hintergrunds auf dem Album Cover, immer mit den Kellys assoziiert. Ich fing an, mich mehr und mehr auch für das Land zu interessieren. Über Bekannte die selbst musizieren, kam ich ein wenig in die Szene der Irish Folk Music und darüber später dann zum Irish Dance. 

Wo anfangs der Schwerpunkt meiner Interesse auf der singenden Großfamilie lag, änderte sich dies mit der Zeit und im Laufe der Jahre wurde das Land wichtiger als die Kelly Family. 

Mittlerweile ist bekannt, dass auch bei der Kelly Family nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen war. In jeder Fanilie gibt es mal streitiger schwierige Phasen, das weiß ich nun. In meiner Kindheit hat mir diese Vorstellung von heiler Familie aber Kraft gegeben und Mut geschenkt, und Irland war in meiner Vorstellung das Land, in dem alles so viel besser war. 

Ich habe, unter anderem auch durch meinen irischen Ex-Freund, mittlerweile eine sehr viel realistischere Vorstellung von Irland bekommen. Meine Liebe für dieses Land ist dennoch ungetrübt. 

Und ich gebe auch ehrlich zu, dass ich den Werdegang einiger Kelly-Geschwister nach wie vor grob verfolge und ab und an auch das ein oder andere Lied gerne mal wieder abspiele. 

Der jüngste Kelly-Spross, Angelo, ist bald auf Deutschlandtournee und ich habe mir tatsächlich eine Karte gekauft, um einen Abend lang in Erinnerungen schwelgen zu können. Würde ich die Möglichkeit bekommen, mit ihm zu sprechen, würde ich Danke sagen. 

Danke, dass ihr mir durch eine schwierige Phase meines Lebens geholfen habt. 

Ein Gedanke zu “Warum Irland? 

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